Soweit das ihm seine Ketten gestatteten, machte er eine Bewegung und reichte Vanina die Finger.
»Wenn du dem, der dir lieb und wert war, Gehör schenkst, so sei vernünftig und heirate irgendeinen angesehenen Mann, den dir dein Vater wählen wird! Mach ihm kein peinliches Geständnis! Aber ebensowenig versuche, mich wiederzusehen! Seien wir fortan einander fremd! Du hast dem Wohle des Vaterlandes eine beträchtliche Summe gespendet. Wird es je von seinen Tyrannen befreit, so wird dir dieses Geld aus dem Nationalgut getreulich wiedererstattet.«
Vanina war trostlos. Während Pietro so sprach, hatten seine Augen nur einmal aufgeleuchtet: bei dem Worte Vaterland.
Schließlich brach der Stolz der jungen Römerin durch. Sie hatte sich mit einem Päckchen Diamanten und etlichen kleinen Feilen versehen. Dies bot sie Missirilli an, ohne ihm etwas zu erwidern.
»Ich nehme es an,« sagte der Karbonaro, »denn das erheischt meine Pflicht. Ich muß zu entkommen suchen. Aber ich werde dich nie wiedersehen. Das schwöre ich dir angesichts deiner neuen Wohltat! Lebe wohl, Vanina! Versprich mir, niemals an mich zu schreiben und keinen Versuch zu machen, mich wiederzusehen! Laß mich ganz dem Vaterlande! Ich bin für dich gestorben. Lebe wohl!«
»Nein!« rief Vanina in Raserei. »Du sollst erfahren, was ich getan, aus Liebe zu dir!«
Nun erzählte sie ihm alle ihre Handlungen von dem Augenblick ab, da Missirilli das Schloß von San Nicolo verlassen hatte, um sich dem Legaten zu stellen. Als sie ihren Bericht beendet hatte, sagte sie:
»Aber alles das ist noch nichts. Aus Liebe zu dir hab ich noch mehr getan!«
Jetzt erzählte sie ihm ihren Verrat.
»Bestie du!« schrie Missirilli voller Empörung. Er stürzte auf sie los, um sie mit seinen Ketten zu erschlagen. Es wäre ihm auch gelungen, wäre nicht der Kerkermeister bei seinem ersten Aufschrei herbeigeeilt. Er packte den Wütenden.