Vanina zweifelte nicht daran, daß Pietro das höchste Glück darin erblickte, stets mit ihr vereint zu bleiben. Dies schien in der Tat so zu sein. Aber in seiner jungen Seele hatte ein bittres Wort des Generals Bonaparte Widerhall gefunden und ihn von jeher in seinem Verhalten gegen Frauen beeinflußt. Als Bonaparte im Jahre 1796 aus Brescia marschierte, versicherten ihn die Häupter der Stadt, die ihm das Geleit bis ans Stadttor gaben, die Brescianer liebten die Freiheit mehr denn alle anderen Italiener.

»Das weiß ich!« gab der Korse zur Antwort. »Das sagen sie mit Vorliebe ihren Liebsten!«

In beklommenem Tone erklärte Pietro:

»Wenn die Nacht kommt, muß ich fort.«

»Sieh aber zu, daß du bei Tagesanbruch wieder im Palast bist,« erwiderte Vanina. »Ich werde aufbleiben.«

»Bei Tagesanbruch bin ich schon mehrere Meilen weg von Rom.«

»So!« sagte Vanina kalt. »Wohin gehst du?«

»Nach der Romagna, um mich zu rächen.«

»Da ich reich bin,« sagte Vanina im ruhigsten Tone, »nimmst du hoffentlich Waffen und Geld von mir an.«

Ein paar Sekunden schaute Missirilli sie starr an; dann fiel er ihr um den Hals.