Ein paar Tage später kam Vanina abermals. Pietro verhielt sich genau wieder so. Er versicherte sie seiner verehrungsvollen Ehrerbietung und ewigen Dankbarkeit.

Da Vanina auch nicht das geringste getan hatte, was den jungen Karbonaro hätte veranlassen können, seinen Gefühlen Zwang anzutun, so fragte sie sich: »Bin ich der allein liebende Teil?« Voll Bitternis empfand das bis dahin so stolze junge Mädchen, wie ungeheuerlich toll sie war. Sie heuchelte Frohsinn und sogar Gleichgültigkeit. Sie erschien seltener, brachte es indessen nicht über sich, den jungen Kranken gar nicht mehr zu besuchen.

Missirilli war halb wahnsinnig vor Liebe, aber er vergaß weder seine niedere Herkunft noch das, was er sich selbst schuldig war. Er hatte sich fest vorgenommen, nur dann aus sich herauszugehen und seine Liebe zu verraten, wenn Vanina ihn acht Tage lang nicht besuchte.

Der Hochmut der Prinzessin kämpfte den letzten Kampf. Schließlich sagte sie sich:

»Wenn ich ihn besuche, so tue ich das meinetwegen, weil es mir Freude bereitet. Nie und nimmer werde ich ihm das Mitgefühl eingestehen, das er in mir erweckt hat.«

Fortan verweilte sie länger und länger bei Missirilli, aber er sprach mit ihr, als ob ein Dutzend andrer Menschen dabei sei.

Eines Abends, nachdem sie ihn den ganzen Tag über verwünscht und sich gelobt hatte, noch kälter und herber denn bisher gegen ihn zu sein, gestand sie ihm ihre Liebe. Bald hatte sie ihm nichts mehr zu versagen.

Die Torheit war groß, aber Vanina war glückselig. Missirilli vergaß, was er seiner Manneswürde schuldig zu sein wähnte. Er liebte, wie ein Neunzehnjähriger unter Italiens Himmel zum ersten Male liebt. Er machte alle Wirren der Liebe aus Leidenschaft durch; ja, er gestand der stolzen jungen Fürstin, durch welche Politik er sie erobert hatte. Das Übermaß ihres Glückes war ihm erstaunlich.

Vier Monate eilten dahin. Eines Tages erklärte der Arzt seinen Patienten für völlig wiederhergestellt.

»Was soll ich nun beginnen?« fragte sich Missirilli. »Bei einer der schönsten Römerinnen versteckt bleiben? Aber dann bilden sich die schnöden Tyrannen, die mich dreizehn Monate lang im stockdunklen Kerker haben schmachten lassen, am Ende gar ein, sie hätten meinen Mut gebrochen. Italia, du hast wirklich kein Glück, da dich deine Kinder so leicht im Stiche lassen!«