Den Sochoum-Distrikt teilt man in die Gebiete Batum, Sozji, Tuapse und des eigentlichen Sochoum, von denen der letztere sehr beachtenswert ist. Der aus Trapezunt-Samen gewonnene Sochoum ist leicht, hellfarbig und gehaltlos, aber die andere Art aus Samsoun-Samen ist sehr aromatisch, voll, sehr ergiebig und gegenüber dem erstgenannten von mehr bräunlicher Farbe. Beide Arten sind durchaus rein im Geschmack und nicht schmierig. Der Sochoum aus Samsoun-Samen ist der wertvollste Tabak russischer Provenienz. Er ist dem originalen Samsoun-Tabak ziemlich gleichwertig, und deshalb ist er in die Rangabstufung der edelsten türkischen Provenienzen sehr wohl einreihbar.

Der bessarabische Distrikt ist bezüglich seiner Qualitäten ziemlich monoton. Man unterscheidet eigentlich nur einen westlichen und einen östlichen Teil und kann dabei behaupten, daß der Tabak desto besser ist, je östlicher seine Herkunft innerhalb des Gebietes bezeichnet wird. Für den europäischen Markt haben seine Erzeugnisse qualitativ nur eine geringe Bedeutung.


Zu erwähnen sind noch die häufig zur Verarbeitung gelangenden altgriechischen Tabake, insbesondere der Argos-Tabak, der Missilonghi-Tabak, der Volo-Tabak und der Agrinion-Tabak; ferner die auf den verschiedenen Inseln des Jonischen und Ägäischen Meeres kultivierten Tabake.

Die altgriechischen Tabake sind mit Ausnahme des Agrinion-Myrodata-Tabaks qualitativ mehr oder weniger minderwertig. Sie brennen in der Hauptsache schwer und hinterlassen beim Rauchen einen bitteren Nachgeschmack, der sich erhöht, wenn der Tabak nicht unmittelbar nach der Verarbeitung zur Cigarette geraucht wird. Die Farbe des griechischen Tabaks ist mit geringen Ausnahmen hellgelb. In der Hauptsache finden diese Tabake jedoch nur für geringere Cigarettensorten Verwendung. Wenn auch häufig diese Tabake für bessere Cigaretten von nicht besonders fachkundigen Fabrikanten verarbeitet werden, so muß doch gesagt werden, daß eine gute, in der Qualität sich gleichbleibende Cigarette aus den altgriechischen Tabaken nicht hergestellt werden kann. Der Myrodata-Tabak aus dem Agrinion-Bezirk dagegen ist süß, brennt gut und ist als Beimischung zu mazedonischem Tabak verwendbar. Die auf den Inseln gezogenen Tabake sind gleichfalls in der Farbe größtenteils hellgelb und besitzen zumeist dieselben Eigenschaften wie der altgriechische Tabak. Eine Ausnahme bildet der auf der Insel Samos wachsende Tabak, der im Charakter dem Smyrna ähnelt, ohne ihn allerdings auch nur im entferntesten an Wert zu erreichen. Dieser Tabak wird vielfach als Smyrna-Tabak angeboten und gekauft. Der nicht sehr fachkundige und in diesem Falle betrogene Fabrikant stellt dann erst viel später fest, daß der Tabak ihn enttäuscht hat.


Wenn man einem Orientalen eine Frage über die Abwertung der einzelnen Provenienzen vorlegt, so kann man gewiß sein, daß er die Tabake seiner engeren Heimat als die jeweils besten bezeichnet. Trotzdem die Möglichkeiten der Schaffung guter Cigaretten mannigfaltig sind, wird doch eine gewisse Übereinstimmung in dem Urteil festzustellen sein, daß die edlen mazedonischen Tabake der Xanthi- und Cavalla-Bezirke und die Smyrna-Tabake, wozu noch der Samsoun tritt, die edelsten Gewächse sind, die zur Verarbeitung kommen können. Die drei genannten Hauptarten charakterisieren gleichzeitig gewisse Geschmacksunterschiede der durch sie erzeugten Cigaretten. Während die aus vorzugsweise mazedonischen Tabaken hergestellten Cigaretten meist sehr voll, weich und blumig wirken, zeigen die Cigaretten aus vorzugsweise Samsoun-Tabaken ein gewisses herbes und charaktervolles Aroma. Die durch Smyrna-Tabake charakterisierten Cigaretten dagegen zeichnen sich durch eine außerordentliche Süßigkeit aus, zu der je nach den verwendeten Fülltabakmischungen eine mehr oder weniger starke Völligkeit, Weichheit oder auch Strenge der unmittelbaren Geschmackswirkung hinzukommt.

Die Europäer sind gewohnt, noch von einer anderen charakteristischen Cigarettensorte mit typischen Geschmackseigenschaften zu sprechen. Es sind dies die ägyptischen Cigaretten. Die früher starke Einfuhr von Cigaretten aus Ägypten hat die Meinung verbreiten lassen, daß dieses Land ebenfalls zu den eigentlichen Tabakländern gerechnet werden muß. In Wirklichkeit ist dies durchaus nicht der Fall. Auf Grund eigentümlicher Zollverhältnisse, die sich aus der Zugehörigkeit des Landes zur Türkei und innerhalb dieser Zugehörigkeit doch besonderen Stellung durch die britische Oberhoheit ergaben, sahen sich eine ganze Anzahl Unternehmer veranlaßt, in Ägypten Fabrikationsunternehmungen zu gründen, um die dadurch gegebenen günstigen Zollbedingungen auszunützen. Dadurch erhielt ein Land, das ursprünglich mit Cigarettentabaken so gut wie gar nichts zu tun hatte, den Charakter eines Tabaklandes. Heute ist der eigentliche Anlaß für eine ägyptische Cigarettenindustrie nicht mehr gegeben. Es mag zwar einerseits einem Bedürfnis der Tradition entsprechen, die Fabrikation dort aufrecht zu erhalten, und andererseits ist die Fabrikation bis zu einem gewissen Grade durch die besonders günstigen klimatischen Verhältnisse begründet. Aber auch hierin vermag die technische Vervollkommnung unserer Zeit eine Unabhängigkeit zu garantieren, so daß ein Rückgang der ägyptischen Produktion vorausgesehen werden kann.


Aus der großen Anzahl der genannten Provenienzen, die sich in der Praxis noch weit komplizierter verästeln, ergibt es sich, daß der Einkauf von Tabaken ganz außerordentliche Fachkenntnisse voraussetzt, und daß von diesem Einkauf besonders das Wohl und Wehe einer Fabrik abhängt. Die Tabake werden im allgemeinen nach ihrer Manipulation in Ballen durch einen weiteren Zwischenhandel auf die europäischen Märkte gebracht. Die weitaus meisten europäischen Fabriken erwerben erst an diesen Plätzen die Tabake, die sie zur weiteren Verarbeitung in Cigaretten ihren Unternehmungen zuführen. Diejenigen Cigarettenfabriken dagegen, die sich erhöhte Möglichkeiten der Qualifizierung ihrer Erzeugnisse zu verschaffen suchen, müssen sich von dem europäischen Markt unabhängig machen und versuchen, in den Ursprungsländern des Tabaks selbst einzukaufen. Naturgemäß ist dies mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft, denn der direkte Einkauf setzt nicht nur einen großen technischen Apparat voraus, sondern zugleich Fachkräfte, die den Europäern selten zur Verfügung stehen. Aber nur dann ist es möglich, die vielen Zufälligkeiten unterschiedlicher Ernten zum Erwerb besonders hochqualifizierter Tabake auszunutzen und dadurch die Möglichkeit zu gewinnen, allererste Provenienzen bei relativ niedrigen Preisen zu verarbeiten und diesem entsprechend hochwertige Cigaretten relativ billig auf den Markt zu bringen.