Die Tabakpflanze wird durchschnittlich 70 cm hoch und trägt an einem geraden Schaft verschiedene Blätter in regelmäßigen Abständen, die von unten anfangend nach oben gleichmäßig kleiner werden. Die Erntezeit, die sich auf ca. zwei Monate erstreckt, beginnt mit dem Einsammeln der untersten Blätter und hört in periodischen Abständen mit dem Pflücken der obersten, ganz kleinen Blätter auf. Die Stellung der einzelnen Blätter bedingt einen unterschiedlichen Wert derselben. Die wertvollsten und gesuchtesten Blätter sind die zuletzt geernteten ganz kleinen Blätter an der Krönung der Pflanze. Diese werden vielfach Dubec-Blätter genannt. Der Fachmann unterscheidet danach verschiedene Blätter verschiedener Stellungen zum Stamm der Pflanze und infolgedessen verschiedene Erntezeiten. Die Namen wechseln jedoch nach den verschiedenen Gegenden. Es ist verständlich, daß die Stellung eines Blattes zum Stamm der Pflanze für den Geschmack der betreffenden Blätter von großer Wichtigkeit ist. Die unteren, zuerst geernteten größeren Blätter haben weniger Gehalt im Verhältnis zu ihrer Masse als die ganz feinen Blätter an der Spitze, und dementsprechend werden sie auf dem Markt bewertet.
Außer den Unterscheidungen der eigentlichen Pflanzen und weiterhin der Stellung der Blätter zum Stamm der Pflanze kennt der Fachmann auch noch weitere Einteilungen, die sich jedoch mehr auf die unmittelbare Qualität des jeweiligen Materials in seiner äußeren Form beziehen. Für diese reinen Qualitätsunterschiede nimmt man wiederum Bezeichnungen, die teilweise von den vorhergehenden Unterscheidungen übernommen worden sind und damit gleichzeitig in einen Zusammenhang mit den qualitativ in erster Linie maßgebenden Unterschieden der Ernten selbst kommen. Auch diese Bezeichnungen sind nach dem jeweils örtlichen Sprachgebrauch unterschiedlich und wenig verallgemeinerungsfähig, so daß ihr Gebrauch nur für den mit der Mannigfaltigkeit aller Sorten vertrauten Fachmann von Wert ist.
Außer den rein qualitativen Unterschieden im Bereich einer einzelnen Pflanze sind natürlich die Unterschiede der Provenienzen selbst maßgebend, und zwar nicht nur in qualitativer Hinsicht, sondern auch für die geschmackliche Eigenart, die der Fabrikant für diese oder jene Cigarette zu diesem oder jenem besondern Zweck erreichen will. Die bevorzugten Tabakprovenienzen teilt man im großen und ganzen in drei Hauptsorten ein. Zuerst die Mazedonischen Tabake aus den Gebieten der ehemaligen Europäischen Türkei, dann die heutigen Türkischen Tabake Kleinasiens mit den Schwarzmeertabaken türkischer Gebiete und zuletzt die Russischen Tabake, die hauptsächlich aus den russischen Schwarzmeer-Gegenden kommen.
Das älteste europäische Tabakland von Rang ist Mazedonien. Schon seit Jahrhunderten nimmt der Tabak im dortigen Wirtschaftsleben den Hauptplatz ein, wenn auch die frühere Produktion gegenüber der heutigen sehr klein war. Der mazedonische Tabak war wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften schon seit langer Zeit berühmt, und noch bevor das Abendland sich in größerem Umfange dem Konsum der Cigarette zuwandte, wurden die wertvollen Blätter dieses Gebietes im Palast des Sultans und den Konaks der hohen Beamten und Würdenträger besonders hoch geachtet. Hauptsächlich der Halbkreis, der sich über Yenidje, Xanthi und Drama bis nach Cavalla erstreckt, war schon frühzeitig fast ausschließlich der Tabakkultur gewidmet. Von diesen Bezirken erzeugte Yenidje weniger Tabak als die anderen Distrikte, aber qualitativ war gerade dieser Tabak der weitaus gesuchteste. Später wurde der Tabakbau auch auf die Bezirke des heutigen Bulgarien und Altgriechenland ausgedehnt.
Zu den Hauptarten dieser Gebiete, die vor allen Dingen durch den Xanthi (Yenidje) und Cavalla repräsentiert werden, treten die türkischen Tabake hinzu, deren bedeutendste Vertreter die Samsoun- und Smyrna-Tabake sind. Die vier wichtigsten Herkunftsgebiete der russischen Tabake sind 1. der kaukasische Distrikt, 2. die Krim, 3. der Sochoum-Distrikt und 4. die beiden bessarabischen Distrikte.
Als Nebensorten kommen dann noch altgriechische und bulgarische Tabake in Betracht. Geringere und mittlere Sorten liefern das ehemalige Herzegowina, geringe Sorten Ungarn und auch China, ferner die Inseln Samos, Chios usw.
Xanthi und Cavalla sind die klassischen Tabakgegenden. Im Xanthi-Bezirk werden fast ausschließlich Basma-Tabake erzeugt. Dieser Bezirk zerfällt wiederum in drei größere Gruppen, und zwar die eigentliche Xanthi-Gegend, die Sarischaban und die Gumuldjina. Sarischaban umfaßt die Ebene im Mündungsgebiet der Mesta und das nächstliegende nördliche Bergland im Westen dieses Flusses. Zu Gumuldjina gehören die Umgebung der gleichnamigen Stadt sowie das nordwestliche Bergland. Den engeren Xanthi-Bezirk bilden die Gegenden der Stadt Xanthi am Gebirgsrand der südlichen Ebene mit Yenidje und das Bergland nördlich von Xanthi bis gegen die bulgarische Grenze hin.