Der Wirtschaftssachverständige wird im allgemeinen der Ansicht sein, daß ein sehr wichtiger Teil der Cigarettenindustrie bisher noch nicht erwähnt ist: die Reklame. Es ist leider durchaus richtig, daß selbst das beste Fabrikat ohne irgendwelche Mittel, das Publikum aufmerksam zu machen, nicht zur Geltung gebracht werden kann. Es ist dies bedauerlich, aber unumgänglich. Für die Qualitätsfrage der Cigarette ist diese Angelegenheit völlig bedeutungslos, zumal das deutsche Raucherpublikum sich heute offensichtlich mehr und mehr dem Einfluß der Reklame zu entziehen sucht, und es weiterhin praktisch erwiesen werden kann, daß die Qualität der Cigarette auf dem Markt stets endgültig entscheidet. Deswegen bleibt allerdings ganz unabhängig von einer Reklameabsicht die Forderung bestehen, daß eine wertvolle Ware ein wertvolles Gewand beanspruchen muß. Die künstlerischen Leistungen, für die gerade in der Cigarettenindustrie sehr viel Raum zur Verfügung gestellt wird, sollten sich jedoch lieber auf eine rein sachliche Basis beschränken, auf der sie dem jeweiligen Stil und dem Wert des Tabakerzeugnisses gemäß das Verkaufsobjekt zu einem harmonischen Ganzen gestalten, so daß die Gefahr vermieden wird, die wir häufig in der Überwucherung geschmacklicher Stilmittel gegenüber dem eigentlichen Fabrikat erkennen können. Denn letzten Endes handelt es sich immer wieder nur um die Qualität der Ware selbst.
Vor etwa drei Jahrhunderten mögen amerikanische Tabake in den heutigen Ursprungsländern unserer Cigarettentabake eingeführt worden sein. Durch die neuen für das Wachstum der Pflanzen maßgebenden Verhältnisse entstanden aber allmählich völlig neuartige Pflanzen, die heute in der übrigen Welt ihresgleichen nicht finden können.
Zur Gewinnung einer gewissen Übersicht werden die Tabake ihrer Pflanzenart nach hauptsächlich in zwei große Gruppen geteilt. Die erste Gruppe bilden die Basma. Hierzu gehören die berühmtesten und teuersten Tabake. Sie bestehen vorzugsweise aus kleinen und sehr zartrippigen Blättern von meist heller Färbung.
Die zweite Gruppe bilden die Baschibagli, die sich durch größere Blätter und etwas stärkere Rippen von den vorhergehenden unterscheiden. Zu diesen beiden Hauptgruppen treten noch einzelne Zwischenstufen, die sich vermutlich aus der Verbindung beider Arten ergeben haben.
Im allgemeinen werden diese beiden Tabakarten auch in der Manipulation unterschieden. Der Tabak, der in den Herbstmonaten geerntet wird, im Winter die ersten Sortierungen bei den Tabakbauern erfährt und ungefähr zu gleicher Zeit von den Händlern aufgekauft wird, hat den ganzen Sommer hindurch einen Prozeß durchzumachen, den man Fermentation nennt. Für diese Fermentation werden die beiden Arten Basma und Baschibagli unterschiedlich manipuliert. Und zwar werden die Baschibagliblätter, nachdem sie durch verschiedene Sortierungen nach Qualität und Größe eingeteilt sind, Blatt auf Blatt dicht übereinander gelegt und gepreßt. Offensichtlich benötigen die etwas fleischigeren Baschibagliblätter ein dichteres Aufeinanderlegen für die Fermentation als die feineren und kleineren Basmablätter.
An diesen beiden Manipulationsarten können die zum Versand fertigen Ballen schon unterschieden werden. Allerdings gibt es einzelne Baschibagliprovenienzen, die wie die Basma manipuliert werden, und umgekehrt ebenfalls. Vom allgemeinen Gebrauch abweichend wird in der Samsoun- und Schwarzmeer-Gegend der Tabak, der meist einen vorstehenden Stengel hat, übereinander gelegt, an den Stengeln mit Bast befestigt und in dieser Form zur Fermentation gebracht.
Es ist natürlich, daß das relativ große Gebiet der Anbauflächen orientalischer Tabake gewisse Verschiedenheiten in der Behandlung bedingt. Die gleiche Schwierigkeit ergibt sich bei der verschiedenen Bezeichnungsweise ähnlicher oder gleichartiger Sortierungen, die auch in den verschiedenen sprachlichen Vorbedingungen verschiedener Gegenden begründet ist.
Wenn also für den Einkäufer die Basma-Provenienzen an ihrer Manipulationsform äußerlich kenntlich sind, so muß der Fachmann doch sorgfältig untersuchen, ob der Tabak, der in Basmaform geliefert wird, auch die Qualität besitzt, um ihn als Basmatabak im Sinne des Wortes ansprechen zu können. Die Unterscheidungen sind häufig sehr schwer. Es werden beispielsweise öfters griechische Tabake, und zwar solche minderwertigen Ursprungs, als Basma gearbeitet und als erheblich wertvollere mazedonische Basma in den Verkehr gebracht. Es ist Sache des Einkäufers, in solchen Fällen am Geschmack, der Blattform und anderen Anzeichen festzustellen, ob es sich um eine Manipulation handelt, die nicht der eigentlichen Basmapflanze und ihrer Qualität entspricht.