Das Tabaklager der großen Cigarettenfabriken steht unter dem Tabakmeister, der die Tabake fachtechnisch behandeln muß, die Mischungsrezepte in Vorschlag bringt und die Mischungen selbst überwacht. Diese Stellung ist wohl ausschließlich Orientalen vorbehalten, da selbst die verwöhnteste Zunge eines Europäers nicht in der Lage ist, die minimalen Geschmacksdifferenzen praktisch zu bestimmen. Trotzdem ist es natürlich, daß ein Tabakmeister, so bedeutsam seine Stellung auch sein mag, keineswegs für die Qualitätsstellung der Fabrik, für die er arbeitet, maßgebend sein kann. Hierfür ist und bleibt die eigentliche Firmenleitung durchaus maßgebend. Selbst bei den besten Beamten muß eine auch nur etwas mangelhafte Fachkenntnis der Firmenleitung in Tabak- und Mischungsfragen sehr verhängnisvoll werden. Denn an dieser Stelle wird Qualitätswille, Stil und Geschmacksforderung maßgebend festgelegt.
Die Tabake werden in den Ballen, in denen sie aus dem Orient ankommen, in den Fabrikationsgang gebracht. In der ersten Station werden die Ballen geöffnet, aufgeteilt, die eng aneinander gepreßten Blätter werden einzeln auseinander genommen und sortiert. Nach der Sortierung werden die Blätter (nach ihren Provenienzen geordnet) in große Holzkisten gefüllt und erwarten in dieser Form den Mischungsvorgang. Die nächste Station ist der Mischungsplatz, auf dem aus den Holzkisten in dem angegebenen Verhältnis der Mischungsrezepte die Tabake der verschiedenen Provenienzen schichtweise übereinander gelegt werden. Es ist dies ein ziemlich großer Platz, auf den der Inhalt der Kisten gekippt und von Arbeitern in gleichmäßigen Lagen auf der ganzen Fläche verteilt wird. Bei diesem Prozeß wird der Tabak den jeweiligen unterschiedlichen Anforderungen entsprechend mehr oder weniger angefeuchtet. Dann wird das Gemisch in große Boxen gebracht, wo es einige Tage lagert.
Die nächste Station ist die Tabakschneiderei. Das Tabakgemisch wird großen Schneidemaschinen zugeführt, die die Blätter in feine Strähnen zerschneiden. Der von den Messern herunterfallende Tabak wird auf Transportbändern in eine Entstaubungsanlage gebracht, die als nächste Station die Aufgabe hat, den Tabak von dem bitteren Tabakstaub gründlich zu reinigen. Aus der Entstaubungstrommel wird der Tabak wieder in große Holzkisten gefüllt und neuerlich einem Zwischenlager zugeführt.
Aus diesem Zwischenlager gelangt der Tabak in den Maschinensaal, in dem er zur Cigarette verarbeitet wird. An Stelle der früheren Handarbeit ist heute in einem außerordentlich weitgehenden Maße die weitaus präziser und wesentlich sauberer arbeitende Maschine getreten. Die fertiggestellten Cigaretten werden in Schragen gesammelt und dem sogenannten Schragenlager zugeführt, in dem die Cigaretten wiederum eine Lagerzeit von etwa drei Tagen durchmachen.
Aus dem Schragenlager kommt die Cigarette in den Packsaal. Dort wird sie unmittelbar in die für den Verkauf bestimmten Packungen gebracht. Von hier aus kommen die Cigaretten in ihren Originalpackungen in ein zweites Zwischenlager, das sogenannte Unbanderolierten-Lager, aus dem sie den jeweiligen Anforderungen gemäß zur Anbringung der Banderole abgeholt werden. In der Banderolierabteilung wird diese Banderole auf maschinellem Wege um die Originaldosen oder Kartons herumgelegt, und zwar derart, daß die Dose nun nicht mehr geöffnet werden kann, ohne daß die Banderole an einer der drei behördlich geforderten Stellen zerrissen wird. Hinter dem Banderolierten-Lager befindet sich die vorletzte Station, das sogenannte Fertiglager. Hier erwarten die Cigaretten, in Halbmille-Pakete geordnet, ihre Expedition. Aus der sich daran anschließenden Expeditionsabteilung gehen die Cigaretten in die Welt hinaus.
Der Vorgang, der in der kurzen Schilderung der wesentlichen Stationen sehr einfach erscheint, ist in Wirklichkeit erheblich komplizierter. Eine große Anzahl von Vorsichtsmaßregeln gegen Witterungseinflüsse, für die der Tabak eine übergroße Empfindlichkeit besitzt, und weiteren Vorkehrungen, die hygienischen Anforderungen entsprechen, lassen die Fabrikationseinrichtungen zu einem sehr komplizierten Apparat werden. Sehr wesentlich ist vor allem, daß der Tabak nach dem Entblättern nicht mehr von Menschenhand berührt wird, da dies aus ästhetischen Gründen für ein Genußmittel stets geboten erscheint.