„Dann tust du es jetzt nicht. Verstehe mich recht, Irma! Wenn in dieser Zwischenzeit ein Brief von ihm kommt, so beantwortest du ihn nicht. An dem verabredeten Tage bleibst du zu Hause, und ich gehe an deiner Stelle.“

„Großmutter!“ rief Irma entsetzt.

„Warum erschrickst du so davor? Ist das etwas so Fürchterliches? Ich will selbst mit dem jungen Menschen reden und danach meine Entscheidung treffen.“

„O, aber er wird so böse auf mich sein, wird mir das nie verzeihen.“

„Er hat dir nichts zu verzeihen. Ich werde ihm erzählen, wie der Hergang gewesen ist. Du brauchst nichts zu fürchten.“

„Laß mich ihm wenigstens noch einmal schreiben, Großmama, damit er vorbereitet ist.“

„Unter keinen Umständen, Irma. Du hast mich belogen und betrogen, als ich dein Vertrauen zu gewinnen suchte. Trotzdem will ich dir Glauben schenken, wenn du mir jetzt versprichst, gehorsam zu sein, und will dir das Geschehene verzeihen. Ich will dir alle Freiheit lassen, dir nicht nachspüren, aber befolgst du jetzt nicht gewissenhaft, was ich sage, so werde ich dir nie mehr vertrauen. Dann ist alles aus, und du kannst nicht mehr auf meine Liebe und Verzeihung rechnen.“

Einen so strengen, unerbittlichen Ausdruck hatte die Kleine noch nie in Großmutters Augen gesehen. Sie fühlte, daß kein Schmeicheln, kein Flehen helfen würde.

„Du hast mich doch verstanden?“ fuhr Ilse fort. „Bis Mittwoch in acht Tagen suchst du keine Gelegenheit, Hochstein zu sehen, und schreibst ihm keine Zeile.“

„Ja, Großmama.“