„Irma hat auch noch ein Wörtchen mitzureden,“ rief Otto, der sich kaum mehr beherrschen konnte, „und ich zweifle nicht, daß sie sich Ihrer Grausamkeit widersetzen wird.“

„So viel Stolz und Taktgefühl werde ich meiner Enkelin wohl noch einflößen können, als sie zu der Erkenntnis nötig hat, daß sie mit einem jungen Manne, dessen Eltern sich so hoch erhaben über sie dünken, keine Zusammenkünfte mehr haben darf. Da ich nun weiß, wie ich handeln muß, fürchte ich Ihren Einfluß auf Irma nicht mehr.“

„Ist das Ihr letztes Wort, Frau Gontrau?“

„Mein letztes, bis Ihr Vater, der Baron von Hochstein, sich an mich oder an Irmas Eltern wendet und unsere Einwilligung zu der Verlobung erbittet.“

„Dann hoffe ich Sie in nicht zu langer Zeit wiederzusehen,“ sagte Otto mit verbissener Wut, indem er sich zum Abschied mit tadelloser Höflichkeit verbeugte.

„Das wird mir eine wahre Freude sein,“ versetzte Ilse und entfernte sich. —

So schnell sie konnte, eilte sie nach Hause, sie wußte ja, mit welcher Ungeduld Irma sie erwartete. Und doch hätte sie gewünscht, einen recht weiten Weg vor sich zu haben, denn sie brachte schlechte Nachricht für das arme Kind.

Das junge Mädchen kam ihr auch bereits im Flur entgegen. Auf Großmutters Antlitz las sie sofort ihr Urteil. Ohne etwas zu sagen, wartete sie, bis Ilse Hut und Mantel abgelegt hatte und sie zu sich rief.

„Irma,“ begann die alte Dame sehr sanft, „du bist doch wohl überzeugt, daß ich dich von ganzem Herzen lieb habe und alles tun möchte, um dir Kummer zu ersparen, nicht wahr?“

„Ja, Großmama.“