Agnes lachte. „Wenn wahre Liebe darin besteht, sich mit Füßen treten zu lassen und jemand nachzuträumen, der deutlich zeigte, daß er nur mit dir gespielt hat, dann — ja dann habe ich keinen Schimmer davon, denn so etwas ließe ich mir nicht bieten.“
„Agnes!“ rief Irma, im höchsten Grade erzürnt, „wenn Großmama mir solche Dinge sagt, mag das noch hingehen, von dir vertrage ich das nicht.“
„Und doch ist es die Wahrheit,“ fuhr die andere eifrig fort. „Komm' mal her,“ sie zog ihre widerstrebende Cousine vor den Spiegel, „schau dich mal an. Ist's nicht jammerschade, daß ein Mädchen wie du, so schön, mit solcher Gestalt, solchem Haar und solchen Augen, sich um dieses Menschen willen so häßlich macht! Du bist wirklich in letzter Zeit nicht hübscher geworden.“
„Was liegt mir daran?“ versetzte Irma. Aber sie schaute doch in den Spiegel, und ihr wurde angst, daß Agnes am Ende wohl recht haben könne.
Diese bemerkte ihren Vorteil und fuhr mit gesteigerter Wärme und Innigkeit fort:
„Liebstes Kind, du kannst für den einen hundert andere bekommen. Wäre ich so schön wie du, wahrlich ich würde ihm das Vergnügen nicht gönnen, mit spöttischem Mitleid über mich die Achseln zu zucken.“
„Das Vergnügen soll ihm nicht zu teil werden,“ rief Irma; „er braucht doch nicht zu wissen, daß ich mich um ihn gräme.“
„Als ob ihm das nicht zu Ohren kommen würde! Machst du Mauds Hochzeit nicht mit, so erfährt er das sicher. Es kommen mehrere Studenten und Offiziere, die ihn kennen. Soll er denn denken, daß du ohne ihn nicht leben kannst! Weißt du, was du tun müßtest?“
„Nein.“
„Auf die Hochzeit gehen, dich so schön wie möglich machen und so lustig sein, daß keine Seele etwas merkt. Glaube mir, ich kenne die Welt besser als du; wenn Hochstein denken muß, daß du dir's nicht zu Herzen nimmst, wird er sich ärgern, und das ist doch wohl die kleinste Strafe, die er verdient.“