Der matte, gleichgültige Ausdruck in Irmas Augen verschwand, ihre Wangen röteten sich, und mit einem schwachen, selbstzufriedenen Lächeln nickte sie ihrem Spiegelbilde zu.
„Vielleicht hast du recht,“ sagte sie, „ich will mich bemühen, deinem Rat zu folgen. Versprich mir nur eins — nie mehr über Otto zu reden.“
„An mir wird es nicht liegen, wenn's doch geschieht,“ entgegnete Agnes munter, „denn ein angenehmer Gesprächsstoff ist er für mich wirklich nie gewesen.“
Von nun an änderte sich Irma. Als ihre Eltern kamen, und Ruth, die von ihrer Mutter in alles eingeweiht wurde, sie schweigend, mit vielsagender Innigkeit umarmte, setzte ihr Töchterlein sie in Erstaunen, indem es lachend rief:
„Hör' mal, Mamachen, wenn du glaubst, mich bemitleiden zu müssen, bist du auf dem Holzwege. Großmama hätte dir die kindische Geschichte mit Baron Hochstein nicht zu erzählen brauchen. Ich habe sie längst vergessen.“
„Aber Kind, ich glaubte dich ganz niedergebeugt und traurig zu finden. Ich dachte, du liebest ihn.“
„Ach wo denn, ich bildete mir das nur ein. Jetzt weiß ich, daß es so ganz gut ist und habe es völlig überwunden.“
„Um so besser, mein Liebling,“ sagte Ruth erfreut. Aber als sie der Großmutter Irmas Worte wiederholte, schüttelte diese das alte, graue Haupt.
„Mamachen, du bist doch nie zufrieden,“ meinte Ruth etwas ärgerlich. „Was willst du denn mehr? Wir können doch wirklich froh sein, daß die Kleine die Geschichte so verständig auffaßt.“
„Liebe Ruth,“ versetzte Ilse nachdenklich. „Der Übergang ist mir zu schroff. Wir mußten Irma aus ihrer Teilnahmlosigkeit förmlich aufrütteln, indem wir ihren Stolz und ihre Eigenliebe zu Hilfe riefen, nun aber fürchte ich, daß ihre Eitelkeit den Sieg davontragen und sie zu irgend einem dummen Streich verleiten wird.“