„So hast du also die Absicht, ihn zu betrügen?“

„Otto hat mich auch betrogen.“

„Ist das ein Grund? Mußt du ebenso schlecht sein wie er?“

„Das ist mir ganz egal,“ rief Irma heftig. „Du kannst stundenlang reden, Großmama. Ich will der Welt zeigen, daß Irma von Holten um einen neuen Anbeter nicht verlegen ist, wenn der alte sie im Stich gelassen hat.“

„Denke darüber nach, Kind, ich warne dich zum letzten Male.“

Aber Irma wandte sich ab und gab keine Antwort mehr.

Großmutter Gontrau verbrachte eine schlaflose Nacht, und als sie andern Tages am Frühstückstisch erschien, sah sie so angegriffen aus, daß es allen auffiel. Auf die Frage, was ihr fehle, erwiderte sie, daß sie nur ein wenig Kopfweh habe; sie sehne sich nach frischer Luft und wolle einen kleinen Spaziergang machen. Ruth erbot sich, die Mutter zu begleiten, doch Ilse wünschte allein zu gehen, dann brauche sie nicht zu reden. Irma und Flora sollten den Morgen benützen, um ihre Toiletten für das große Ereignis, die Hochzeit, in Ordnung zu bringen, auch die andern hätten gewiß noch manches zu besorgen, und sie wolle niemand stören.

Großmutter Ilse ging nicht weit. Das Gartentor von Müllers Villa stand offen, und in der Laube saßen Maud und John.