„Aber Kinder, ihr müßt ja totmüde sein. Irma, führe sie nach oben und zeige ihnen ihre Zimmer, dann können sie sich vor dem Abendessen etwas ruhen.“
„Nicht nötig, Großmama,“ fiel Agnes lebhaft ein. „Wir haben heute nacht im Zuge herrlich geschlafen und es uns ganz bequem gemacht. Das Einzige, was uns nottut, ist etwas zu essen. Nicht wahr, Maud? Nicht, Karl?“
„O, dann gehen wir gleich zu Tisch,“ schlug Ilse vor. „Folgt mir nur ins Eßzimmer, Kinder. Kommen Sie, Onkel Heinz!“
Lachend nahm sie den Arm des alten Herrn und schritt voraus, während Irma sich im Stillen wunderte, wie man länger als zwanzig Stunden in einer Tour reisen und dann erklären konnte, nicht müde zu sein.
Bald war die ganze Familie gemütlich um die Abendtafel versammelt. Der Tisch war festlich gedeckt mit einem weißen Tuch, in das mit feiner, blauer Baumwolle Figuren und Sprüche eingestickt waren, und zeigte Überfluß an wertvollem, altdeutschem Porzellan, schön geschliffenem Kristall, Blumen und Früchten. An dem altmodischen kupfernen Kronleuchter waren alle Kerzen entzündet und auf dem Buffet von Eichenholz standen sogar ein paar Flaschen Sekt in Eis.
Die amerikanischen Gäste taten dem Festmahl die größte Ehre an, und alle schwatzten lustig und lebhaft durcheinander.
„Kinder,“ fragte Ilse im Laufe des Gesprächs, „wie gefällt euch Paris?“
„Herrlich, Großmama. Eine großartige, fröhliche Stadt. Entzückend mit all den großen Plätzen und Parks, dem vielen Grün und der Blumenpracht. Jetzt war es ganz besonders schön, denn Flieder und Kastanien standen in vollster Blüte.“
„Herrscht nicht ein schrecklicher Trubel dort?“
„Nein, bei uns geht's lebhafter zu, da gibt's viel mehr Lärm und Hasten, und die Menschen haben mehr zu tun, aber in Paris ist alles eleganter, reicher.“