„Es war schändlich,“ brach Irma los, „du hast mein Vertrauen mißbraucht, und dazu hattest du kein Recht.“
„Und du durftest einen Mann nicht betrügen, der dir nie im Leben etwas zu leide getan hat; du hättest ihn und dich selbst unglücklich gemacht.“
„Wer sagt dir, daß er unglücklich geworden wäre, wenn er nichts erfahren hätte?“
„Trotzdem hättest du ihn betrogen. Wenn ein Mädchen einen Mann heiratet, den es nicht liebt, handelt es schlecht und macht den Mann, den es auf diese Weise belügt, unglücklich. Vor diesem Fürchterlichen habe ich dich bewahrt.“
Irma fing an, leidenschaftlich zu schluchzen. „Und nun hast du mich von diesem Elenden, diesem Bauern, beleidigen lassen. Du weißt nicht, was er mir alles zu sagen wagte. Ich hasse ihn.“
„Ich weiß, daß du dich in deinen eigenen Augen erniedrigt und gedemütigt fühlst, Kind. Aber darüber wirst du hinwegkommen. Glaube mir, es ist besser, als dein ganzes Leben lang etwas bereuen, das du nicht mehr ungeschehen machen kannst.“
Ilse, die mit dem unglücklichen, verwöhnten Kinde innigstes Mitleid empfand, wollte es zärtlich in ihre Arme schließen, aber ungestüm wandte Irma sich ab.
„Ich fühle mich nicht gedemütigt,“ bäumte sie sich trotzig auf und hatte Mühe, ihre Tränen zurückzudrängen. „Geh du nur, ich habe dich nicht mehr lieb, ich will fort von hier.“
„Irma!“ rief die Großmutter in traurigem Tone.
Das junge Mädchen aber war zu sehr überreizt, um zu begreifen, wie weh sie der alten Frau tat, und wiederholte heftig: