„O, alles, was Sie betrifft, merke ich sofort, wenn Sie auch vielleicht glauben, daß ich stumpf und gleichgültig geworden bin. Ich sah gleich, daß es außer Irmas Krankheit noch etwas gab, was Ihnen Kummer bereitete.“
Ilse tat gewiß das Klügste, indem sie Onkel Heinz alles erzählte, was zwischen Irma und Hans vorgefallen war.
Der Professor schaute sinnend vor sich hin und sagte in den ersten Minuten kein Sterbenswörtchen.
„Glauben Sie, daß Reicher dem kleinen, dummen Ding ganz gleichgültig ist?“ fragte er endlich.
„Ich weiß nicht,“ versetzte Ilse, „doch glaube ich wohl, daß er durch sein energisches Auftreten Eindruck auf sie gemacht hat.“
„Sie müßte mordsdumm sein, wenn das nicht der Fall gewesen wäre,“ meinte Onkel Heinz heftig. „Hans Reicher ist ein Kerl, ich sage Ihnen, der wiegt zehn Generationen der Hochsteins auf.“
„Das glaub' ich gern,“ fuhr Ilse lächelnd fort, „aber ich fürchte doch, daß er für Irma verloren ist, denn er scheint sie hart angepackt zu haben.“
„Und ich versichere Sie, er liebt das undankbare Ding noch immer grenzenlos. Als sie krank war, bekam ich alle Tage Briefe von ihm, er war in Todesangst, und erst als ich ihm schrieb, daß die Besserung gute Fortschritte machte, kam wieder der praktische, ruhige Hans zum Vorschein.“
„Wohl möglich,“ seufzte die Großmama. „Aber aus eigenem Antrieb wird das Kind nicht zurückkehren. Sie ging so kühl von mir; ich fürchte, ich habe ihre Zuneigung verloren.“
„Unsinn! Dummes Zeug!“ rief der Professor. „Was denken Sie denn von ihr? Sie ist Ihre Enkelin und die Tochter meiner kleinen Kröte Ruth. Bon sang ne peut mentir, Frau Ilse.“