„Das kann schon sein, aber du weißt nicht, was er mir an jenem schrecklichen Abend gesagt hat.“

„War das so arg?“ fragte Ilse nun doch beunruhigt. „Kannst du mir's nicht erzählen?“

Sehr langsam, als koste es sie große Mühe, kam es von Irmas Lippen:

„Großmama, er hat mir an dem Abend gesagt, daß ich eine oberflächliche Kokette sei, daß er mich nicht zum Weibe nehmen würde, und wenn ich ihn auf den Knien darum anflehte. Nur wenn ich einsähe, wie tief ich ihn gekränkt habe, und aus eigenem Antrieb zu ihm käme, um ihm zu sagen, daß ich ihn über alles liebe und mir ohne ihn kein Glück denken könne, würde er mir verzeihen und mir die Hand reichen.“

„Nun?“ fragte Frau Gontrau, als Irma schwieg.

„Was meinst du?“

„Na, du siehst es doch nun ein, daß du ihn über alles lieb hast.“

„Aber Großmama,“ rief Irma, „du kannst doch nicht denken, daß ich ihm das sagen würde, daß ich mich so erniedrigen könnte?“

„Natürlich denke ich das und sehe gar nichts Erniedrigendes darin.“

Irma trocknete ihre Tränen. „Nie werde ich einen Mann bitten, mich zum Weibe zu nehmen. Was Hans von mir fordert, ist unmöglich. Kommt er wieder und macht mir einen Antrag, so werde ich ‚ja‘ sagen, der Himmel weiß, mit welcher Freude! Aber er muß zu mir kommen.“