„So weit ich ihn kenne, wird er das nie tun, Irma.“

„Nein, Großmama, daher habe ich auch keine Hoffnung mehr auf künftiges Glück.“

Es herrschte Schweigen. Gedankenvoll schaute Ilse ins Feuer und überlegte, wie sie die Kleine am besten von ihrem Unrecht überzeugen könne. Endlich nahm sie ernst das Wort:

„Mein Liebling, der Kummer, den Baron von Hochstein dir bereitete, hat seine gute Seite gehabt, denn er hat dich viel verständiger gemacht und dir die Augen für die wahren Verdienste eines Mannes geöffnet. Trotzdem war die Lehre noch nicht stark genug, dich von deinem größten Fehler zu heilen.“

„Und der wäre, Großmama?“

„Deine Eitelkeit, Irma.“

„Was die damit zu schaffen hat, verstehe ich nicht.“

„Deine Eitelkeit verbietet dir, einfach zu Hans zu gehen und ihm zu gestehen, daß du unrecht gehabt hast. Du hältst es für ein viel anziehenderes Bild, ihn zu deinen Füßen zu sehen, als dich zu den seinigen.“

Irma wurde dunkelrot. Sie fühlte, daß die Großmama den Nagel auf den Kopf traf.

„Du bist doch zu mir gekommen und hast mich um Verzeihung gebeten, und dasselbe willst du nicht für den Mann tun, den du doch so unendlich viel mehr lieben mußt als mich!“