Doch trotz all ihrer anscheinend ruhigen Heiterkeit blieben Irmas Wangen blaß, und die schönen Augen blitzten nicht so lebenslustig wie früher. Oft schauten Onkel Heinz und seine alte Freundin sich fragend und kopfschüttelnd an, und beständig kämpfte der Professor mit dem Wunsch, auf seine Manier dem Hangen und Bangen ein Ende zu machen und die beiden Liebenden mit Gewalt einander in die Arme zu führen. Es fiel ihm sehr schwer, dem Rat Ilses zu folgen, welche der Ansicht war, daß Übereilung wieder alles verderben könnte, und ihn deshalb bat, sich mit Geduld zu waffnen.

Es war nun völlig Herbst geworden. Auf den Gartenwegen raschelte das welke Laub, das vom Winde in tollem Tanz umhergewirbelt wurde, und noch immer schaute Ilse ihre Enkelin fragend an, und noch immer schüttelte diese niedergeschlagen das blonde Köpfchen. Endlich eines Morgens, als der Regen an die Scheiben klatschte und alles kalt und winterlich aussah, kam Irma zur Großmutter, die in ihrem Zimmer am Schreibtisch saß und mit dem Ordnen von Briefen und Rechnungen beschäftigt war.

„Großmama, ich möchte schreiben, aber ich weiß nicht was,“ sagte sie.

„Ist das so schwer, Kindchen?“ fragte die alte Dame, indem sie ihre freudige Überraschung hinter einer ruhigen Miene zu verbergen suchte.

„Ich habe wohl schon zwanzig Briefe geschrieben und sie immer wieder zerrissen. Ich bringe es nicht fertig.“

„Komm, setze dich hierher und versuche es noch einmal, Liebling. Ein paar Worte genügen.“

Das Mädchen ergriff die Feder. Ilse tat, als bemerke sie nicht, daß schon wieder mehrere Briefbogen in den Papierkorb wanderten.

Endlich sah sie, wie Irmas Hand rasch und erregt über das Papier glitt, und einen Augenblick später stand das Kind neben ihr.

„Lies, was ich geschrieben habe, Großmama, aber es wird nichts helfen.“

Ilse las: