„Ich würde das nicht wagen,“ gestand Irma.

„Was bist du für ein Dummchen,“ fuhr Maud fort. „Wie umständlich und lästig ist es, immer von irgend jemand abhängig zu sein. Wir sind's gewöhnt, alles allein und selbständig zu besorgen. Und das ist wirklich das einzig Richtige.“

„Aber Kinder,“ fragte Ilse, „habt ihr in Paris denn nie eine unangenehme Begegnung gehabt?“

„Nicht ein einzigesmal, Großmama,“ versicherte Agnes. „Niemand achtete auf uns, ruhig und still, den Reiseführer in der Hand, gingen wir unsres Weges. Hatten wir was zu fragen, wiesen die Leute uns stets freundlich und höflich zurecht. Wir waren immer sehr einfach gekleidet, und jeder sah gleich, daß wir Fremde waren.“

„Nun,“ nahm die Großmutter wieder das Wort, „ich versichere euch, daß in meiner Jugend niemand so was gewagt hätte. Und ich war noch ein kecker Tollkopf, aber davor wäre mir doch bange gewesen. Was sagen Sie dazu, Onkel Heinz?“

Der alte Herr hatte behaglich schmunzelnd zugehört.

„O!“ meinte er, „mir gefällt das alles ausgezeichnet; Sie wissen ja, daß ich auf die übertriebenen Formen und Komplimente nichts gebe. Ich bin für die amerikanischen Mädchen. Und da nun gerade der Sekt eingegossen wird, schlage ich vor, sie leben zu lassen.“

Fröhlich stimmte jeder in dies Lebehoch ein; aber nun war es spät geworden, und man trennte sich. Die jungen Gäste wurden auf ihre Zimmer geführt, und bald herrschte tiefste Stille im ganzen Hause.