„Aber erst,“ erklärte Maud, „muß ich zwei Briefe schreiben, oder besser, du, Agnes, schreibst den an unsre Eltern, das erspart Zeit. Den andern muß ich selbst erledigen.“

Sie wurde dabei rot, und Irma forschte lachend:

„Ist er so wichtig, daß du ihn nicht bis zum Nachmittag aufschieben kannst?“

„Ja,“ versetzte Maud, „denn dieser Brief ist für meinen Verlobten bestimmt.“

Großmama und Irma machten erstaunte Gesichter.

„Du bist schon Braut, mein Kind?“ fragte erstere. „Und davon erfuhr ich nichts. Das ist doch nicht auf der Reise zustande gekommen?“ fügte sie hinzu, fürchtend, daß ihre Enkelin ohne Wissen der Eltern einen unüberlegten Schritt getan haben möchte.

„Nein, Großmama,“ erwiderte Maud ruhig. „John und ich, wir sind schon fast ein Jahr verlobt. Er ist eine Waise, Vater und Mutter haben es vom ersten Tage an gewußt. Der Vater hielt es für besser, nicht darüber zu reden, denn es dauert noch ein Jahr, bis John fertig ist und wir heiraten können. Daher haben wir nichts davon in unseren Briefen erwähnt, aber ich wollte es dir natürlich gleich mitteilen.“

„Und was ist dein Bräutigam?“

„Im Augenblick Heizer auf einer Lokomotive.“

„Was!“ riefen Ilse und Irma, im höchsten Grade erstaunt, wie aus einem Munde.