„Das möchte ich auch. Mir ist so bange vor emanzipierten Frauen.“

Maud mußte lachen. „Wir sind nicht emanzipiert. Wir haben nur gelernt, uns wenn nötig selbst zu helfen und unabhängig und frei aufzutreten, wo es gerade angebracht ist.“

„Aber ich will nicht unabhängig auftreten,“ beharrte Irma. „Wenn ich mal heirate, will ich von meinem Manne ganz abhängig sein, ihn als mir überlegen betrachten, als meinen Herrn und Gebieter; er aber muß mich verwöhnen, verhätscheln und in mir das kostbarste und schönste Wesen sehen, das ihm anvertraut ist. Er muß mich geradezu anbeten.“

„Das würde mir nicht genügen,“ erwiderte Maud und ihre Mundwinkel zuckten verächtlich. „Ich will meinem Manne Gefährtin und Helferin sein, keine Puppe, kein Schmuckstück.“

Irma antwortete nichts, sie nahm den Arm ihrer jüngeren Cousine. Ohne recht zu wissen weshalb, fühlte sie sich mehr zu Agnes hingezogen — ob das kam, weil diese sie schon zweimal schön und unwiderstehlich genannt hatte? Sie gestand sich das selbst nicht ein, fand Maud auch sehr lieb, aber die war drei Jahre älter und — Braut. Da war es wohl natürlich, daß sie sich mit Agnes inniger befreundete.

Die Mädchen baten Großmutter Ilse, nach dem Mittagessen das Haus mit ihnen zu besehen, ehe es endgültig gemietet wurde. Onkel Heinz, der sich erkundigen wollte, ob die Reisenden gut geschlafen hätten, schloß sich ihnen an. Beide waren höchst befriedigt, Ilse, weil das Haus nur ein Viertelstündchen von ihrer Wohnung entfernt lag, und der Professor, weil die Zimmer so geräumig, hoch und luftig waren. In heiterer, fast ausgelassener Stimmung durchschritten und besichtigten sie sämtliche Räume, und die Mädchen erzählten schon, wie sie alles einrichten wollten, als Ilse plötzlich erschrocken ausrief:

„Aber Kinder, wann geht ihr denn zu eurer Tante Elisabeth?“

Der kleine Karl schnitt Irma ein Gesicht, daß sie losprustete, Agnes sonniges Antlitz trübte sich und Maud sagte:

„Aber Großmama, dazu haben wir doch vor der Hand keine Zeit; es eilt auch nicht.“

„Doch, liebes Kind; sie ist die einzige Schwester deines Vaters.“