„Papa konnte Tante Elisabeth nie leiden; er machte sich nichts aus ihren Briefen,“ ergänzte Karl.
„Und doch hat er sicher gesagt, daß ihr gleich nach eurer Ankunft sie besuchen sollt,“ beharrte Ilse. „Was meinen Sie, Onkel Heinz?“
„Ach, was sollen die Kinder bei so 'ner langweiligen alten Jungfer?“
„Siehst du wohl, Großmama! Onkel Heinz muß es doch wissen,“ riefen die Mädchen wie aus einem Munde.
„Nein, Onkel Heinz weiß es nicht,“ erklärte Ilse bestimmt, dem Professor einen unzufriedenen Blick zuwerfend. „Denken Sie doch, wie einsam Tante Elisabeth ist! Seit dem Tode eurer Großmutter, der alten Frau Rosi Müller, lebt sie ganz allein. Nun sind die Kinder ihres einzigen Bruders aus Amerika gekommen, und es würde mehr als unartig und herzlos sein, wenn ihr sie nicht aufsuchen wolltet.“
„Großmama hat recht,“ pflichtete Maud bei, „morgen früh wollen wir zu ihr gehen.“
„Ich geh' aber nicht mit,“ rief Irma, „ich hab' keine Lust, getadelt zu werden wie ein kleines Kind. Jedesmal, wenn ich zu Fräulein Müller komme, muß ich anzügliche Bemerkungen hören, bald über meine Frisur, dann über meine Toilette, ja, einmal hat sie sich sogar herausgenommen mir zu sagen, daß du mich verziehst, Großmama.“
„Da hat sie aber vollkommen recht,“ stimmte Ilse lachend zu. „Du wirst mitgehen, Irma, schon um deinen Cousinen den Weg zu zeigen.“
„Ja,“ flüsterte Agnes, „komm nur mit, nachher lachen wir zusammen über die ‚old maid‘.“
Das Haus wurde gemietet, und während des ganzen übrigen Nachmittags und Abends stellten die Mädchen lange Listen von allem auf, was sie zur Einrichtung brauchten, denn sie wollten so bald wie möglich mit ihren Einkäufen beginnen. —