„Das sind keine Amerikaner, gnädiges Fräulein,“ rief letztere, „das sind Wilde. Der Junge wird das Haus noch einreißen.“

Die Mädchen ließen sich los, und lachend wandte Irma sich dem alten Fräulein zu.

„Seien Sie nicht böse, Fräulein Müller. Wir machten ein Tänzchen, um uns die Zeit zu vertreiben, da Sie sich gar nicht sehen ließen. Dies sind Ihre Nichten Maud und Agnes, und der Bengel da ist Karl.“

„Vorgestern sind wir angekommen, liebe Tante,“ sagte Maud freundlich, „und hoffen, daß du froh bist, uns zu sehen.“

„Seid willkommen, ihr Mädchen,“ entgegnete die Tante und gab jeder einen Kuß. Karl reichte sie die Hand; vor dem Knaben mit seinem Schelmengesicht und den übermütig blitzenden Augen hatte sie buchstäblich Furcht. „Aber ich muß doch sagen, daß ihr eine sonderbare Manier habt, Besuche zu machen. Ist das Mode in Amerika?“

„Nein, Tante,“ erwiderte Agnes lachend. „Da ist nur dein gebohnter Fußboden schuld. So köstlich glatt, das verlockt unwiderstehlich zu einem Tänzchen. Wenn du das Zimmer ausräumst, kannst du im Winter hier eine herrliche Tanzgesellschaft geben.“

„So, die geb' ich aber nicht,“ klang es ziemlich gereizt zurück. „Grete, sieh mal nach, ob keine zu argen Schrammen im Boden sind, und reib' auch den Tisch ab, der Junge hat mit seinen warmen Händen Flecken darauf gemacht.“

Eine unbehagliche Stille entstand. Maud fühlte sich durch diesen mehr als unfreundlichen Empfang beleidigt. Irma und Agnes traten sich unter dem Tisch auf die Füße und wechselten beredte Blicke. Karl aber, dem es sofort klar wurde, daß er seine Tante nicht ausstehen könne, sann auf einen neuen Streich, mit dem er sie ärgern wollte. Tante Elisabeth betrachtete ihre Nichten neugierig und eingehend. Die Mädchen mißfielen ihr dank ihrer höchst einfachen Kleidung nicht; diese war ihr lieber wie Irmas Toilette, die immer höchst elegant und nach der neuesten Mode war. Aber daß Maud ihr Haar kurz geschnitten trug, fand sie lächerlich.

„Warum trägst du dein Haar wie ein Junge?“ fragte sie.

„Weil ich es bequem und praktisch finde, Tante.“