„Von Hochstein,“ stellte sich der Student vor, indem er dem ganzen Kreise seine Verbeugung machte. „Ich gehöre noch zu Ihren ehemaligen Schülern, Herr Professor. Darf ich Ihnen und Ihrer Gesellschaft unsern Platz anbieten? Wir sind fertig, unsre Tafel kann schnell abgeräumt werden.“

Mit einer höflichen Verbeugung auf die Dankesbezeugungen der Gesellschaft antwortend, rief er einige Kellner und erteilte ihnen seine Befehle. Sie waren so dienstbeflissen, als ob er eine bekannte und einflußreiche Persönlichkeit wäre.

Dann winkte er einem in der Nähe sitzenden Blumenmädchen und kaufte die schönsten Rosen aus ihrem Körbchen. Mit vollendeter Ritterlichkeit näherte er sich Maud und Agnes und überreichte ihnen ein paar Sträußchen, welche die amerikanischen Mädchen ohne die geringste Verlegenheit freundlich dankend annahmen und in den Gürtel steckten. Flora erhielt ein Sträußchen Vergißmeinnicht und Heliotrop, worüber sie bis über die Ohren errötete; endlich trat er zu Irma und reichte ihr zwei prachtvolle La France-Rosen.

„Sollten Sie die Blumen auch nachher fortwerfen, ich würde mich doch für den glücklichsten der Sterblichen halten, wenn Ihre Hände sie nur einmal berührten,“ flüsterte er leise.

Irma fühlte, daß sie rot wurde, aber sie zwang sich aufzuschauen und blickte in ein paar schwarze, schmelzende und doch kecke Augen. Das schöne Gesicht mit seinen feinen, aristokratischen Zügen wäre ohne den gewaltigen Schmiß auf der rechten Wange vielleicht etwas weibisch erschienen. Sie schlug verwirrt die blauen Augen nieder und nahm die Rosen mit ein paar gestammelten Dankesworten.

Er schwenkte sein Cerevis, als ob es ein Marschallshut mit wallendem Federbusch wäre, verbeugte sich fast bis zur Erde und entfernte sich mit seinen Kommilitonen.

„Wer war das, Onkel Heinz?“ fragte Ruth.

„Jetzt erinnere ich mich, er war mein Schüler und benahm sich immer ein bißchen verdreht. Er ist ein Baron von Hochstein, der zum ältesten Adel des Landes gehört.“

„Er ist ein Geck,“ brach Hans Reicher los, „und ihr,“ fuhr er entrüstet zu den Mädchen fort, „solltet euch schämen, Blumen von jemand anzunehmen, der euch total unbekannt ist.“

Maud erwiderte ruhig, sie sehe kein Unrecht darin, eine Höflichkeit anzunehmen, die im Beisein der Eltern und der ganzen Familie erwiesen werde.