„Weil, nun weil ich den letzten Walzer nicht mit Ihnen tanzte, wie ich versprochen hatte.“
Er tat, als müsse er sich erst besinnen. „Ach ja, richtig, den letzten Walzer? Nein, durchaus nicht. Ich war froh über Ihr Vergessen, weil ich eine andere junge Dame engagiert hatte.“
Hans log. Er war still hinausgegangen, um seine Enttäuschung und seinen Ärger niederzukämpfen, doch sein Stolz verbot ihm, Irma zu zeigen, wie tief sie ihn verletzt hatte.
Im vordersten Wagen schlief Tante Elisabeth und ärgerte den Professor, weil sie schnarchte; schnarchende Frauen konnte er nicht ausstehen. Großmutter Ilse war müde und lehnte sich schweigend, mit geschlossenen Augen, zurück. Ruth und Marianne unterhielten sich leise und schauten dazwischen nach Flora und Gustav, die auf der vordersten Bank Hand in Hand saßen, aber kein Wort sprachen. Onkel Heinz blickte auf die prachtvolle, mondbeglänzte Landschaft und verkürzte sich die Zeit mit Rauchen. Im zweiten Wagen saß Maud neben ihrem Vater. Ludwig und Agnes waren so in ihr Geflüster vertieft, daß sie nicht einmal hörten, wenn jemand sie anredete. Irma drehte Hans den Rücken. Was bildete der Bauer sich ein? Sie wollte ihm freundlich entgegenkommen, und er wagte es, ihr solche Antwort zu geben! Ihr eitles Herzchen schwoll vor Entrüstung. Nun wollte sie sich nie mehr um ihn kümmern; sie hatte an Angenehmeres zu denken.
[(1)] Alter englischer Tanz.
Onkel Heinz war schlecht gelaunt. Mit grimmigem Gesicht ging er umher und erklärte, sich in den nächsten Tagen weder bei Müllers, noch bei Ilse Gontrau blicken zu lassen. Das ewige Einerlei und die endlosen Beratungen fingen an ihn zu langweilen. Immer bekam er dasselbe zu hören, von Verliebtsein, Verlobungen und Ratschlägen der Eltern. Es herrschte allseitig große Rührung, und der Professor, der bei seinen vielen guten Eigenschaften doch nicht frei von Egoismus war, konnte es nicht leiden, daß die Jugend jetzt ganz in den Vordergrund trat und ihm und seinen Interessen weniger Beachtung geschenkt wurde.
Am Morgen nach der Landpartie war Ludwig Reicher zu Fritz Müller und seiner Frau gekommen, hatte ihnen gesagt, daß er ihre Tochter Agnes unaussprechlich liebe und um ihre Hand bitte.