Es war Oktober geworden. In Ilses kleinem, an den großen Eßsaal grenzenden Wohnzimmer brannte schon ab und zu ein lustiges Feuerchen, denn die Nachmittage wurden kalt. Die alte Dame saß gern mit ihrem Buch am Kamin und wenn sie aufgehört hatte zu lesen, starrte sie in die züngelnden Flammen und ließ die Bilder der Vergangenheit an ihrem Geiste vorüberziehen.
An solch einem traulichen Nachmittagsstündchen trat Irma ein, um der Großmama adieu zu sagen. Sie sah bildschön aus in dem dunkelblauen Tuchkostüm, das ihre Elfengestalt knapp umschloß, und dem hübschen, an einer Seite umgeschlagenen Hut mit der weißen Feder auf dem goldblonden Haar.
„Gehst du aus, Kind?“
„Ja, Großmama, wenn du's erlaubst.“
„Wohin?“
„Ach, ich weiß nicht, ein bißchen spazieren.“
Die Großmutter schaute sie an. „Und dafür hast du dich so schön gemacht?“
Das junge Mädchen wurde rot. „Ach, bei diesem köstlichen Herbstwetter wollte ich mein neues Kostüm doch mal an die Luft bringen.“
Ilse drohte mit dem Finger „Jungfer Eitelkeit,“ neckte sie. „Na, lauf' du nur. Aber es ist doch besser, du holst Agnes oder Maud zum Spazierengehen ab. Allein finde ich's nicht ganz passend.“
„Ich weiß nicht, ob sie zu Hause sein werden,“ murmelte Irma und lief dann, um weiteren Einwendungen zuvorzukommen, mit einem hastigen: „Auf Wiedersehen, Großmama,“ rasch zur Türe hinaus.