„Warum darf ich dir denn nicht einmal einen Kuß geben, Irma, wenn du mich doch liebst und meine Braut bist?“
„Nicht eher, als bis wir wirklich verlobt sind und jeder es weiß,“ erwiderte sie. „Warum kann ich denn nicht, wie Agnes und Flora es taten, der Großmama und meinen Eltern alles erzählen?“
„Mein Liebling, hast du mir nicht selbst geschrieben, daß du gerade dies süße Geheimnis, um das nur wir zwei beide wissen, so herrlich fändest?“
„Ja, aber nun finde ich es nicht mehr herrlich,“ schmollte Irma. „Es ist nicht recht, das fühle ich. Ich weiß, Großmama würde es nicht billigen, und ich will nicht mehr in dieser heimlichen Weise mit dir zusammenkommen.“
Ottos dunkle Augen funkelten unheilverkündend, und er biß sich auf die Lippen, um seinen Ärger zu verbergen. Aber er verstand es meisterhaft, sich zu beherrschen, und erwiderte niedergeschlagen:
„Dann machst du mich tief unglücklich.“
„Laß mich der Großmama alles sagen. Du kennst sie nicht, sie ist nicht streng, und ich kann von ihr erlangen, was ich will.“
Er schüttelte den Kopf; dann schob er seinen Arm durch den ihren und zwang sie so, mit ihm auf und ab zu gehen.
„Hör' mal zu, Liebste,“ begann er. „Du zwingst mich, Dinge zu sagen, die mir peinlich sind. Frau Gontrau würde niemals ihre Einwilligung zu einer heimlichen Verlobung zwischen uns geben.“
„Wenn ich sie darum bitte, tut sie es doch.“