„Ich nicht. Großmama Flora sagte immer, der Haushalt ginge von selbst, den brauchte man nicht zu lernen. Mama hat zwar in letzter Zeit versucht, mir einiges zu zeigen, aber ich war so von meiner Liebe zu Gustav erfüllt, daß ich nicht aufpaßte. Nun tut mir das leid. Jetzt, wo du hier bist, kannst du mich belehren, ja?“
„Viel wird das nicht sein; aber so gut ich kann, will ich dir gern helfen.“
„Wirst du dich auch vor Lisa fürchten?“
„Nein, sie ist doch nur die Magd.“
In diesem Augenblick trat die, von der sie soeben gesprochen, ins Zimmer.
„Es ist Zeit, den Tisch zu decken,“ sagte sie barsch, und dann fuhr sie, zu Flora gewendet, fort:
„Geben Sie mir die Schlüssel zum Wäscheschrank und zum Weinkeller.“
Irma gab ihrer Schwägerin einen Wink, daß sie es verkehrt finde, dem Mädchen die Schlüssel zu überlassen, wandte sich aber verlegen ab und betrachtete aufmerksam einen Kupferstich an der Wand, als Lisa sie mit herausforderndem Blick ansah, und die Hände in die Seiten stemmte.
Die Magd füllte die ganze Stube mit ihren schwerfälligen, plumpen Bewegungen und ihrer Riesengestalt aus. Dröhnend ging sie hin und her und schaute immer wieder so drohend nach der Türe, daß den beiden Kindern angst und bange wurde, und sie, der gleichen Empfindung folgend, zusammen das Zimmer verließen.
Gustav kam nach Hause. Er hatte sich, seit Irma ihn zuletzt gesehen, wenig verändert. Seine träumerischen Augen starrten wie immer ins Blaue hinein. Sein Haar war gewachsen und ringelte sich bis in den Nacken. Er trug eine kurze Samtjoppe, einen Umlegekragen und eine breite, flatternde Krawatte. Als er eintrat, flog Flora ihm entgegen, und ohne von seiner Schwester die geringste Notiz zu nehmen, schloß er sein Weibchen in die Arme und küßte es. Diese Umarmung dauerte mindestens fünf Minuten. Irma vernahm alle möglichen Ausrufe, wie: „Mein blondgelockter Engel! Meine Elsa! Meine reine, weiße Lilie!“ — und: „Mein Held! Mein Künstler! Mein liebes Männchen!“ &c. Ihr wurde ganz schwach, und endlich rief sie: