„Hört mal, ich bin auch noch da!“

Nun hieß Gustav sie herzlich willkommen und ging dann in sein Zimmer. Auch hier herrschte eine geniale Unordnung. Stöße von Musikheften bedeckten den Flügel sowie sämtliche Stühle und selbst die Erde, sodaß es eine Kunst war, einen Weg durch dies Chaos zu finden.

Die gefürchtete Lisa meldete, daß das Essen fertig sei.

„Ich will nicht, daß alles kalt wird,“ fügte sie hinzu; „sagen Sie also dem Herren, er soll gleich kommen.“

Gehorsam ging Flora, um ihren Mann zu rufen; er saß am Flügel und spielte. In den ersten zehn Minuten gab er auf die Bitte seiner jungen Frau überhaupt keine Antwort.

Endlich, als sie es wagte, leise näher zu treten und ihn auf ihre Anwesenheit aufmerksam zu machen, stand er träumerisch auf, fuhr mit der Hand durch sein langes Haar und folgte ihr.

Lisa brachte das Essen herein und bediente mit einem Gesicht wie eine dräuende Gewitterwolke. Das Mahl war gut zubereitet, aber es wurde in solchen Mengen aufgetragen, daß noch mindestens zehn Personen hätten mitspeisen können. Irma machte ein sehr erstauntes Gesicht.

„Was für ein kolossaler Rinderbraten, der würde für ein Waisenhaus genügen,“ sagte sie, als Lisa das Riesenstück auf den Tisch stellte.

Das Mädchen warf ihr unter gerunzelten Brauen einen wütenden Blick zu, und Flora winkte ihr erschrocken, sie möchte schweigen.

„Aber Kind,“ begann Irma, als das Schreckgespenst das Zimmer verlassen hatte, „warum bestellst du solche Riesenbraten? Nun müssen wir die ganze Woche von kaltem Fleisch leben.“