„O weh!“ rief Irma, ihre Handarbeit zusammenpackend, „dann geh ich nach oben, Großmama; wenn sie nach mir fragt, bin ich nicht zu Hause.“
„Bleib hier, Kindchen,“ wandte Ilse ein, aber schon war Irma verschwunden.
„Der kleine Taugenichts hat recht,“ meinte Onkel Heinz, „wenn ich nur könnte und von der verflixten Gicht nicht so geplagt wäre, würde ich mich auch auf die Beine machen.“
„Seien Sie doch still,“ bat Ilse, ein bißchen böse; dann stand sie auf, um Fräulein Müller zu empfangen.
Tante Elisabeth ging immer einfach gekleidet; heute aber hatte ihre Erscheinung etwas entschieden Quäkerhaftes an sich. Ihr eisengraues, glattes Kleid konnte nicht strenger sein als ihr Antlitz. Ilse fand plötzlich, daß sie ihrer Mutter, der Pfarrerin, sprechend ähnlich sah, wenn diese einmal ganz besonders tugendhaft oder unangenehm sein wollte.
„Ich hoffe, ich störe Sie nicht, Frau Gontrau,“ begann sie mit einem Seitenblick auf Professor Fuchs, in dessen Gesellschaft sie sich nie behaglich fühlte.
Ilse schob ihr einen bequemen Sessel hin.
„Sehr nett, daß Sie sich mal sehen lassen, Elisabeth,“ begann sie freundlich, „ich habe Ihnen schon oft gesagt, daß Sie viel zu selten kommen.“
„Ach, ich mag mich nicht aufdrängen; heute aber habe ich etwas Besonderes mit Ihnen zu besprechen.“
Onkel Heinz stand auf. „Dann wünschen Sie gewiß mit Frau Gontrau allein zu sein; ich gehe so lange in den Garten und will mal sehen, ob die Märzsonne gut für meine Gicht ist.“