Aber Ilse winkte ihm zu bleiben: „Wollen Sie mit mir über etwas sprechen, Elisabeth, was Sie selber angeht?“
„Nein, Frau Gontrau, die Sache betrifft ausschließlich Sie.“
„Dann bleiben Sie nur ruhig sitzen, Herr Professor,“ nahm Ilse wieder das Wort.
Es gab ja nichts in ihrem Leben, was ihr alter Freund nicht wissen durfte, und sie freute sich heimlich darüber, daß er der Gesellschaft der alten Jungfer nicht entrinnen konnte. „Vor Ihnen haben wir keine Geheimnisse.“
„Das müssen Sie am besten wissen, gnädige Frau; was ich Ihnen mitzuteilen habe, betrifft Ihre Enkelin Irma.“
Professor Fuchs spitzte die Ohren, und Ilse sagte absichtlich begütigend:
„Wirklich? Ich hoffe, die Kleine hat nichts getan, worüber Sie sich zu beklagen haben.“
„Ich nicht,“ entgegnete Fräulein Müller, mit verdrießlich herabgezogenen Mundwinkeln; „aber ich halte es für meine Pflicht, Ihnen über das Betragen des jungen Mädchens die Augen zu öffnen.“
„Ei was,“ meinte Ilse, halb ärgerlich. „Die Kleine hat wohl etwas gesagt oder getan, was nicht ganz ehrerbietig und passend ist? Ich werde sie nachher darüber zur Rede stellen, aber wirklich, Elisabeth, so ernst dürfen Sie das nicht nehmen, von der Jugend müssen wir uns manches gefallen lassen und gegen ihre kleinen Sünden nachsichtig sein.“
„Ich weiß nicht, ob Sie es eine kleine Sünde nennen, wenn ein junges Mädchen wie Irma an einem abgelegenen Platz heimliche Zusammenkünfte mit einem Studenten hat,“ sagte Fräulein Müller mit nur mühsam unterdrückter Schadenfreude.