Das merkwürdigste Denkmal aus Hammurabis Zeit ist der 2½ Meter hohe Dioritblock, der im Jahre 1901–1902 in Susa entdeckt wurde, wohin ihn elamitische Eroberer im 12. Jahrhundert verschleppten; sonst wäre er wohl kaum der Zerstörung entgangen. In babylonischer Keilschrift und in akkadischer Sprache bewahrt er in 282 Gesetzesparagraphen das älteste corpus juris der Welt. Zu oberst trägt er ein Bild des Königs, wie er die Gesetze aus den Händen Schamasch’s, des Sonnengottes von Sippar, in Empfang nimmt. Dieser Block stand im Marduktempel Esagila in Babel. Meyer nimmt an, daß bereits Sumulailu diese Gesetze erlassen, Hammurabi sie nur gesammelt habe. Erst nachdem er ganz Sumer, Akkad und Assyrien unterworfen hatte, konnte die Arbeit vollendet werden. Nach Zettersten setzt dieser im typischen Gesetzesstil abgefaßte Codex eine sehr lange Entwicklung voraus und enthält wahrscheinlich uralte Rechtsgebräuche, die zu einem systematischen Ganzen vereinigt sind.

Die einzelnen Gesetze sind kurz und bestimmt; man hat entweder Recht oder Unrecht. Sie berücksichtigen alle Beziehungen der Gesellschaft und des täglichen Lebens, sie regeln das Verhältnis zwischen Mann und Frau, zwischen Herren und Sklaven, zwischen Menschen und ihrem Eigentum an Äckern, Kanälen und Vieh. Rind, Esel, Schaf und Schwein werden als Haustiere erwähnt, dagegen fehlt das Pferd. Erst ums Jahr 2000 kommen, wie Meyer zeigt, die ersten Pferde nach Sinear. Ihre ideographische Schreibung „Esel des Berglandes“ beweist, daß sie aus Persien stammen. Man verwandte sie niemals zum Reiten, sondern nur zum Fahren, besonders der Kriegswagen, die sich in den folgenden Jahrhunderten über ganz Vorderasien, Ägypten und Griechenland ausbreiten und nach dem 16. Jahrhundert dem Kampfbild sein besonderes Gepräge geben. Es dauerte noch Jahrhunderte, ehe das Pferd zum Reittier wurde.

Der letzte König aus Hammurabis Dynastie war Samsuditana (1956–1926). Unter ihm ging das Reich Babel nach dreihundertjährigem Bestehen zugrunde. Aus den westlichen Gegenden Kleinasiens drangen die Hettiter ein und eroberten und plünderten Babel. Das war die erste Völkerwanderung in dieser Zeit. Eine andre ging von Osten aus und war arisch.

Anderthalb Jahrhundert herrscht Schweigen über die Hettiter in Sinear. Von ungefähr 1500 an aber läßt sich die Geschichte Babyloniens und Assyriens im Zusammenhang behandeln. Eine Reihe von Kriegen zwischen beiden Ländern schloß ums Jahr 1260 damit, daß das babylonische Reich in das assyrische aufging. Dessen König war Tukultininib I. Durch innere Streitigkeiten verlor zwar Assyrien sowohl Babylonien wie Mesopotamien wieder, erhob sich aber dann unter dem mächtigen und kraftvollen Tiglat-Pileser I. Er baute den Reichstempel für die Götter Anu und Adad wieder auf und unternahm Feldzüge gegen Phönizien und Armenien. Er schildert selbst, wie er im Norden gleich einem Sturm des Adad, des Wettergottes, dreiundzwanzig Könige vernichtete, die ihre Heeresmassen und Streitwagen gegen ihn aufgeboten hatten. Mit seiner Lanzenspitze verfolgte er sechzig Könige bis an das „obere Meer“, eroberte ihre Festungen, brannte ihre Städte nieder und verwandelte sie in Schutthaufen und Ruinen.

Assurnasirpal (884–860), von dem viele Urkunden berichten, drang im Norden und Westen bis ans große Meer bei Tyrus und Sidon vor, wusch in dessen Wasser seine Waffen und brachte seinen Göttern an der Küste Opfer dar. Sein Sohn Salmanassar II. (860–824) schildert in stolzen Worten seine Triumphe in Syrien; er nahm Aleppo ein, schlug die verbündeten Könige von Damaskus, Hamath und Israel aufs Haupt, unterjochte Babylonien und zwang die Fürsten der Chaldäer, Tribut zu zahlen. Gegen dieselben Feinde kämpfte Tiglat-Pileser IV., der Damaskus zu einer assyrischen Provinz und Israel zum Vasallen machte.

Salmanassar IV. belagerte Samaria, und Sargon II. (722–705) führte Assyrien auf die Höhe seiner Macht. Der König der Chaldäer, Merodach-Baladan, von dem Jesaja in seinem 39. Kapitel spricht, unterwarf 721 Babylonien seiner Herrschaft und schloß mit dem König von Elam einen Bund gegen Assyrien. Aber Sargon vertrieb ihn und herrschte dann von der Küste des Mittelmeeres bis zur Küste des Persischen Golfs. Der Chaldäerkönig eroberte zwar Babylonien wieder, verlor es aber zum zweiten Mal an Sanherib (705–681), einen der größten Herrscher Assyriens. Merodach-Baladan schloß von neuem einen Bund mit Elam und andern Fürsten, doch ohne Erfolg. Seitdem hatte Babylon zwei Jahrhunderte lang keinen eigenen König.

Aufruhr im Westen des Reiches zwang Sanherib gegen Juda aufzubrechen, wo er sechsundvierzig feste Orte eroberte. Von Jerusalem aber mußte er, nach den biblischen Urkunden, unverrichteter Dinge abziehen. Auch gegen Medien kämpfte er nicht glücklich. Von dieser Zeit an beginnt die assyrische Großmacht zu sinken.

Als erste Residenz der assyrischen Könige wird Assur schon im Jahre 2100 v. Chr. genannt. Mehrere Jahrhunderte hindurch behielt es seinen hohen Rang, und es blieb eine große Stadt bis zum Ende des assyrischen Reiches. Salmanassar I. machte Kalach, das jetzige Nimrud, zum Sitz seiner Regierung. Sargon II. residierte in der von ihm gegründeten Stadt Dur Sargon, wo heute das Dorf Chorsabad liegt. Sanheribs, Assarhaddons und Assurbanipals Hauptstadt war Ninive, der Kultort der Göttin Ischtar, das seit 3000 v. Chr. bekannt ist.

Assarhaddon (680–668) hielt das Reich auf der Machthöhe, die es unter seinem Vater besaß. Unter ihm war das Verhältnis zwischen Elam und Chaldäa ruhiger als früher, er baute den Tempel von Babylon wieder auf und führte Krieg gegen König Tirhaka, den dritten Herrscher in der 25. ägyptischen Dynastie; nach einem mühseligen Zug durch die Sinaiwüste drang er bis Memphis vor und machte Ägypten bis Theben zu einer assyrischen Provinz. Diese fiel jedoch wieder ab, und auf einem neuen Feldzug starb Assarhaddon.

Sardanapal (Assurbanipal), der letzte große König von Assyrien (668–626), zog ebenfalls gegen Ägypten und drang bis Theben vor, mußte aber den Feldzug aufgeben, da seine Heereskraft nicht ausreichte. Von da an ließen die Assyrier das Reich der Pharaonen in Frieden.