Schließlich aber machte ich einen Vorschlag, der sogleich Klarheit in die dunkle Sache bringen müsse: wir sollten uns zu Mesrur Bei begeben, dessen Amtsräume im selben Hause lagen. Das leuchtete dem Polizeigewaltigen ein. Zwei Gendarmen und ein Offizier begleiteten uns. So traten wir in das Zimmer des Kommandanten.
Von Untergebenen und Besuchern umringt, saß Mesrur Bei an seinem Schreibtisch. Als er mich so plötzlich als Gefangenen vor seinem Richterstuhl sah, brach er zunächst in schallendes Gelächter aus. Als er sich dann erholt hatte, rief er: „Was, Sie arretiert? Dann bitte ich darum, Ihnen sofort wieder die Freiheit schenken zu dürfen.“ Eine vornehme Gebärde gab meiner Eskorte das Zeichen, zu verschwinden, und als sie abzog, grüßte ich höflich zum Abschied. Die türkischen Gendarmen hatten mir ja Gelegenheit gegeben zu sehen, daß sie ihre Instruktion genau befolgten.
Mesrur Bei.
Munteha, 15jähriges Beduinenmädchen vom Stamme der Mufarrid.
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GRÖSSERES BILD
Will man im Orient sein Skizzenbuch mit Volkstypen bereichern, so bieten nur die Frauen fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Der freundlichen Vermittlung der französischen Dominikanerschwestern verdanke ich es, wenn ich gleichwohl eine Anzahl charakteristischer Frauenbilder darbieten kann. Jede saß eine Stunde für ihr Porträt und erhielt als Lohn einen blanken Medschidije; die Schwestern riefen dazu besonders Arme ins Kloster, für die vier Mark ein kleines Vermögen bedeuteten.
Phot.: Schölvinck.