Kaffeehaus am linken Ende der Tigrisbrücke von Bagdad.
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GRÖSSERES BILD
Die beiden Ruderer legen los. Wir wollen stromabwärts auf das rechte Ufer hinüber, zum Hause der deutschen Marinesoldaten. Die Wasserfläche wimmelt von Fahrzeugen aller Art. Hier fährt ein Belem mit munteren syrischen Mädchen, dort einer mit deutschen und türkischen Offizieren, die dienstlich unterwegs sind. Eben kreuzt vor uns ein Boot mit französischen Dominikanerschwestern, die nach schwerer Tagesarbeit bei den Kranken nach Hause zurückkehren. Ein Meheile wird quer über den Strom gerudert; das Spiegelbild seines hohen Mastes zittert auf der Wasserfläche.
Ein Wasserwerk am Ufer.
Nun sind wir drüben und fahren an den Terrassen des rechten Ufers entlang. Welche Reihe amüsanter Bilder! Guffas und Belems werden von Ruderern an langen Seilen bugsiert. Überall geschäftige Tätigkeit; Kinder und Pferde werden gewaschen, Tische und Kleider gereinigt. Und diese lustige Pracht der weißen, grünen, gelben, hellroten und hellblauen Häuser mit schattigen Veranden vor dem Hintergrund des tiefen Grüns der Palmen!
Bald werden die Häuser seltener, die Gärten zahlreicher und größer. Lautlos treiben wir im Schatten der Dattelbäume stromabwärts; die Schiffer ruhen an ihren Rudern. Das Stöhnen einer Dampfmaschine, die Wasser in einen Kanal pumpt, unterbricht die Stille. Daneben ist ein Paternosterwerk mit altehrwürdigem Pferdegöpelbetrieb im Gang, sogar die primitive Einrichtung mit den auf- und abgehenden Ledersäcken, die gellend ihr melancholisches Lied singen, findet sich auch hier noch. Die Wasserwerke am Tigris sind aber fester gebaut als die am Euphrat, sie ruhen gewöhnlich auf runden Ziegelmauern, die den Schiffern sehr hinderlich sind, wenn sie vom Ufer aus ihre Fahrzeuge stromaufwärts ziehen.
Wir haben es uns auf den Polstern der Bänke bequem gemacht. Kein Windhauch regt sich. Der Zigarettenrauch steigt in blauen Ringen empor und steht wie ein Nebelstreif hinter dem vorwärts gleitenden Boot in der Luft. Palmen breiten ihre friedlichen Blätter über den Strom. Man gerät ins Träumen. Wenn es doch so weiter ginge bis tief in die Nacht! Selbst der hier überall und stündlich drohende Flecktyphus hat seine Schrecken verloren.
Vor uns biegt nun der Strom nach rechts ab; weiter abwärts windet er sich nach Seleucia, Ktesiphon, Kut-el-Amara, mitten hinein in das Lager der Feinde. Dort stehen die Engländer. Wie wäre es, wenn wir die Fahrt bis zu ihnen fortsetzten? Wie weit wurden wir wohl mit heiler Haut kommen? Wir wären kein übler Fang für sie.