Hartun Kirijakes, 18jährige Chaldäerin aus Sannat.
Lieber doch umkehren! Unsere Belemtschis springen ans Land und bugsieren unser Boot stromaufwärts. Noch einmal zieht das reizvolle Uferbild mit seinen Palmen, Wasserwerken und Villen vorüber. An einer offenen Strandstelle badet jetzt eine Kompagnie türkischer Soldaten, und weiter oben holen farbige englische Gefangene Wasser.
Die Sonne geht unter und ergießt ihr rötestes Gold über den Strom. Schon nähern wir uns der Schiffbrücke, aus deren unsicheren Planken Bagdads Söhne und Töchter von einem Ufer zum andern lustwandeln. Eine kleine Flottille von Meheiles ist am Brückenkopf vertäut, sie hat ihre Ladung noch nicht gelöscht. Ein Knäuel enger Gassen mündet hier; es sind die Zufahrtsstraßen zu den Basaren des rechten Ufers. Überall der gleiche lebhafte Verkehr! An einer kleinen Landungsbrücke liegen mehrere Guffas; ihre Besitzer warten geduldig auf zahlungsfähige Kunden.
Das rechte Ende der Brücke.
Kuppeln, Minarette und Masten bilden herrliche Schattenrisse auf dem Hintergrund des noch hellen Horizontes. Aber die Dämmerung ist kurz im Orient. In einer Stunde schläft Bagdad schon, aber noch sind die Balkone aller Kaffeehäuser voll von Gästen, nicht zum wenigsten von persischen Pilgern und Soldaten. Sie trinken Tee oder Kaffee, rauchen Zigaretten oder Nargileh, genießen ihren „Keif“, ihre Siesta, nehmen das Leben in echt orientalischer Ruhe und achten kaum auf das Brausen des Weltkriegs, der doch so nahe herantobt.
Zwischen den Pontons hindurch wenden wir zum linken Ufer hinüber, um die Brücke dort noch einmal zu kreuzen und uns dann vom Strom nach dem Kai des Konsuls treiben zu lassen. Fast könnte man sich hier nach Venedig träumen. Ruderer stehen auf den Bänken ihrer Boote und stoßen ihr Fahrzeug mit Hilfe der Balken vorspringender Balkone stromaufwärts. An den Mündungen der kleinen Gassen schießen die Fahrzeuge hin und her. Öllampen werden angezündet, und hier und da strahlt schon in den Häusern ein Licht.
Manusche, Armenierin aus Diarbekr, 23 Jahre alt.