Mit einem bunt zusammengewürfelten Heer von wie es hieß 20000 Mann, so gut wie ohne Artillerie, zog er gegen Basra. Einige junge Deutsche nahmen an diesem abenteuerlichen Zuge teil, die Herren Lührs, Schadow und Müller; der zuletzt genannte führte Material mit sich, um im Schatt-el-Arab Minen zu legen. Auch ein Österreicher namens Back war dabei.
Als Ali Askari Bei mit seinen Scharen das Dorf Schaïbe bei Basra erreicht hatte, wurde er von den Engländern angegriffen und völlig geschlagen, außerdem noch im Rücken von einigen Araberstämmen überfallen, deren Mut wuchs, als sie sahen, daß es den Türken schlecht ging. Der tapfere, aber etwas unvorsichtige Befehlshaber wurde verwundet und in einen Wagen geschafft und beging Selbstmord. Der Rückzug seiner Truppen vollzog sich in weniger guter Ordnung, als der Xenophons; sie wurden zersprengt, und nur ein Teil erreichte Amara.
Der Deutschen und ihres österreichischen Kameraden warteten auf der Flucht traurige Schicksale. Auf ihrer Wanderung tigrisaufwärts fielen sie feindlichen Arabern in die Hände und wurden bis auf die Haut ausgeplündert. Dann gelang es ihnen, sich bis zu Fasil Pascha durchzuschlagen, der sie vom Tode rettete und mit allem Nötigen versah, und endlich erreichten sie Bagdad, wo ich später zwei dieser unverwüstlichen Männer traf.
Petros Ibn Chamis, 16jähr. Chaldäer aus Sannat.
Auf ihrem Rückzug versuchten die türkischen Scharen vergebens, sich in Amara und Kut-el-Amara zu halten. Sie mußten sich bis nach Sulman Pak zurückziehen, das auf dem linken Tigrisufer in der Nähe von Ktesiphon, gerade gegenüber den Ruinen von Seleucia, liegt. Die Engländer rückten nach und kamen im Sommer 1915 bis Sulman Pak; hier entschlossen sie sich jedoch, sich gegenüber den Türken einzugraben. Diese hatten mittlerweile Verstärkungen erhalten; Halil Pascha war von Aserbeidschan an der kaukasischen Front her mit einer Division zu ihnen gestoßen. Mitte November griff der neue Befehlshaber Nureddin Bei die englischen Stellungen an. Anfangs hatte er auch Erfolg; der Widerstand war aber doch zu stark, und er dachte schon daran, die Offensive aufzugeben, als Halil durch einen kräftigen Flankenangriff von Norden her die Lage rettete. Die Engländer räumten ihre Gräben und zogen sich in neue, stark geschützte Stellungen bei Kut-el-Amara zurück. Nureddin Bei folgte und griff von neuem an, wurde aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
Da kam Feldmarschall von der Goltz, der zum Chef der 6. Armee ernannt war, in Bagdad an und fuhr ohne Aufenthalt nach Kut-el-Amara weiter. Er sah sogleich, daß eine Fortsetzung der Angriffe zwecklos war, weil die Türken nicht genügend Artillerie besaßen. So begann auch hier der Stellungskrieg.
Inzwischen erhielten auch die Engländer Verstärkungen. Eine neue Armee marschierte zum Entsatz nach Kut-el-Amara tigrisaufwärts. Hier war jetzt Halil Pascha Oberbefehlshaber, da man Nureddin Bei wegen eines Dienstversehens zurückgerufen hatte. Ein Teil der Truppen Halils ging den Engländern entgegen, und beim Wadi Kelal kam es Anfang Januar 1916 zum Kampf. Der Ausgang veranlaßte den Feldmarschall zum Rückzug in die Stellung bei Fellahije, die sich im Norden auf ein Sumpfgebiet stützte. Verschiedene Angriffe der Engländer gegen sie scheiterten an der gut geleiteten Verteidigung.
Mitte Februar machte der Feind deshalb einen Versuch, auf dem rechten Tigrisufer vorwärtszukommen. Eine neue türkische Division, die jedoch drei Bataillone an die persische Front hatte abgeben müssen, wurde nun über den Tigris geschafft, um in einer Stellung bei Simsir die Engländer aufzuhalten. Diese griffen vom 8. bis 11. März zweimal an, und die Lage der Türken wäre mehr als kritisch geworden, hätte nicht Halil rechtzeitig die Gefahr bemerkt und alle verfügbaren Truppen nachgeschickt. Eine Division, gegen 4000 Mann, wurde in einer einzigen Nacht auf Fähren und Booten über den Tigris gesetzt. Die Deutschen rühmten dieses Unternehmen als besonders gut ausgeführt. Die Schnelligkeit, mit der Halil seine überraschenden Bewegungen ausführte, brach die Angriffskraft der Engländer und zwang sie, ihren Vormarsch auf dem rechten Flußufer ganz aufzugeben.