Alter christlicher Araber in Bagdad.
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Als ich ihn zum Fall von Kut-el-Amara beglückwünschte, machte er nicht viel Wesens von dem Erfolg, den er und seine Truppen erstritten hatten. Von dem britischen Befehlshaber General Townshend sprach er mit bescheidener Zurückhaltung, wunderte sich aber immer wieder über die Kapitulation, da die Engländer ungefähr fünfmal so stark gewesen waren, wie die Türken.
Gerade als mir Halil Pascha in vortrefflichem Französisch von den letzten Tagen der Festung erzählte, wurde unsere Unterhaltung durch die hohe Priesterschaft Bagdads unterbrochen, die in vollem Ornat dem Feldherrn ihre Aufwartung machte und um die Erlaubnis bat, die neugebaute Hauptstraße nach ihm zu benennen. Sie läuft parallel mit dem Ufer des Stroms und erleichtert die Verbindung zwischen dem oberen und unteren Teile der Stadt. Zahlreiche am Wege stehende Häuser wurden rücksichtslos niedergerissen, und man hatte es damit so eilig, daß ihren Besitzern oft nur wenige Tage Frist blieb, ein neues Unterkommen zu suchen. Denn diese Straße hatte zugleich auch eine symbolische Bedeutung: sie ging quer durch das Grundstück des englischen Konsulats, das vor dem Kriege niemand hätte antasten dürfen; jetzt waren keine Engländer mehr da, die Einspruch hätten erheben können.
Zwei Tage nach dem vorhin erwähnten Siegesfest stand ich mit dem Herzog und Schölvinck aus der hochgewölbten, kühlen Veranda des englischen Konsulats und erwartete die Ankunft des ersten Trupps englischer Gefangenen. Ein französischer Arzt und mehrere französische Dominikanerschwestern waren ebenfalls zugegen; auch sie waren Gefangene der Türken, hatten aber in Bagdad bleiben dürfen unter der Bedingung, daß sie in den mehr als dreißig Krankenhäusern, die alle überfüllt waren, Dienst taten. Es hieß, 6 bis 7000 Plätze seien belegt, meist mit Typhus und Ruhr.
Während wir uns mit den französischen Schwestern und dem Arzt unterhielten, kam der Raddampfer „Hamidije“ mit zwei Booten, die zu beiden Seiten an ihm festgemacht waren, langsam und majestätisch den Strom herauf. Aus dem oberen Deck des „Hamidije“ saßen englische Offiziere in Korbstühlen und auf Bänken, und in den beiden Booten weiße und farbige Unteroffiziere.
Ankunft der „Hamidije“.
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Nun wurde das Schiff am Kai festgemacht und die Landungsbrücke ausgeworfen. Türkische Offiziere gingen an Bord. Am Ufer wartete der Stadtkommandant, der stellvertretende Chef des XIII. Armeekorps in Bagdad, Oberst Mesrur Bei. Zuerst kamen die fünf Generale an Land, und der Kommandant begrüßte seine „Gäste“. Einer von ihnen war krank und stützte sich auf einen Stock und auf die Schulter eines Adjutanten. Im Schatten einiger Bäume wurden Stühle für sie aufgestellt, und Mesrur Bei unterhielt sich mit ihnen höflich in französischer Sprache.