Es war ein herrlicher Morgen. Die Luft war lau, am Himmel segelte nur hier und da ein Wölkchen. Wie ein Ball weißglühenden Eisens stieg die Sonne empor, von den Gebetsrufern der Minarette begrüßt, und vergoldete die Balkone und Palmen auf dem rechten Ufer.
Das Boot landete an dem Kai, wo die Feldbahn beginnt. Eine Draisine stand bereit, und bald rollten wir durch die stille Wüste, als eben die Eidechsen, Heuschrecken, Käfer und andere Insekten ihr Tagewerk begannen. Heute ging es schneller als das vorige Mal: in drei Stunden waren wir am Ziel.
Mein alter Schahtur lag noch an seinem Platz. Doch brauchten wir ihn nicht. Der Herzog hatte die große Fähre „Emden“ instand setzen lassen, und sie hatte sich, seitdem ich in ihrer Gesellschaft den Euphrat hinabgefahren war, sehr angenehm verändert. Mittschiffs erhob sich ein Deck mit Bänken, Tischen und Feldstühlen; darüber war auf senkrechten Stangen ein Zeltdach gespannt. An den Seiten stand unser Gepäck aufgeschichtet, und hinten residierte der schwarze Koch mit seinem Petroleumofen und seinen Proviantkisten. Die Besatzung bestand aus acht Arabern und einer Eskorte von zwei bis an die Zähne bewaffneten Gendarmen. Der Flußweg bis Babylon galt nicht für sicher, besonders in diesen unruhigen Zeiten, die jetzt auch in der Provinz Irak herrschten. Auch der Herzog hatte als geschickter Jäger und Schütze seine und seiner Soldaten Waffen in Bereitschaft.
Die Fähre stieß vom Land und wurde sogleich von der gewaltigen Strömung fortgeführt. Wir saßen auf bequemen Stühlen unter dem Sonnendach mit freier Aussicht flußabwärts, zogen unsere Jacken aus, zündeten die Zigaretten an und genossen die Fahrt in vollen Zügen. In Gedanken aber war ich den ganzen Tag in meinem lieben, alten Heim zu Stockholm, wo mein ehrwürdiger Vater heute sein neunzigstes Lebensjahr vollendete.
Schon vor 12 Uhr betrug die Temperatur im Schatten 36 Grad. Die Hitze wurde aber etwas gemildert durch den Nordwind, der uns zuweilen nach dem rechten Ufer hinübertrieb und uns zwang, die Fähre ziehen zu lassen. Doch ließ er bald nach, und es gab eine herrliche Fahrt an Jublatije und den weiten Weizenfeldern von M’Gessab vorüber.
Die Fähre „Emden“.
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GRÖSSERES BILD
Die beiden Neger des Herzogs, rechts Sale.