Ich dachte einen Augenblick nach und wählte dann: »unabhängig«. Denn wenn ich 16 Stunden reiste, hätte ich den letzten und sicherlich interessantesten Teil der Fahrt in dunkler Nacht zurücklegen müssen; ich war aber gekommen, um soviel wie möglich zu sehen. Die Wegstrecke von Berlin bis zum Hauptquartier mußte ein beständiges Crescendo sein: immer weiter vom Frieden fort — immer näher den Kampflinien. Ich glaubte in meiner Unschuld, die Landstraßen in Westdeutschland müßten von Soldaten und Fuhrwerken überschwemmt sein. Keine Spur davon! Es dauerte lange, bis man des Gedränges wegen langsam fahren mußte; und innerhalb Deutschlands geschehen ja alle Transporte per Bahn.
»Wer wird mein Chauffeur?«
»Ein Offizier, begleitet von einem Soldaten. Beide leisten ihre Dienstpflicht im Freiwilligen Automobilkorps.«
»Wer bestimmt den Offizier?«
»Ich; und ich denke eben an den Rittmeister von Krum aus Württemberg.«
Dr. Arnoldi drückt auf einen Knopf und fragt die eintretende Ordonnanz, ob Rittmeister von Krum in der Nähe ist. »Ja.« — »Bitten Sie ihn hierher zu kommen.« Und herein tritt in feldgrauer Uniform ein Offizier von vorteilhaftestem Aussehen und gewinnendem Wesen.
Rittmeister von Krum war aus dem aktiven Militärdienst ausgeschieden, aber bei Kriegsausbruch wieder unter die Fahnen getreten, und nach geltenden Mobilisierungsbestimmungen hatte er sein Automobil der Krone zur Verfügung gestellt. Er führt es selbst; der Soldat, der uns begleiten soll, ist in Friedenszeiten sein Chauffeur.
Am folgenden Tag war ich mit meinem Rittmeister unterwegs und equipierte mich feldmäßig von Kopf bis zu Fuß, von der Automobilmütze bis zu den Schnürstiefeln und Beinbinden, mit einem passend warmen Sportanzug, mit Pelzweste und Pelzrock, Regenmantel, warmem Filzhalstuch und einer Automobilbrille — die ich nie benutzt habe.
Der 15. September war der Tag des Aufbruchs. Rittmeister von Krum lenkte seinen Wagen selbst und mit bewundernswerter Sicherheit. Neben ihm saß der Chauffeur, ein Unteroffizier aus Württemberg namens Deffner, ich selbst auf dem Rücksitz des Autos. Auf dem Boden des Wagens lag mein Gepäck, zwei Taschen nur so groß, daß ich sie im Notfall selbst hätte tragen können. —