178. im Tale des Anambaruin-gol. Blick nach Nordwesten. ([S. 14].)

179. Blick nach Südosten vom Lager am Anambaruin-gol. ([S. 14].)

Ich hielt noch immer auf die Quelle Altimisch-bulak zu, deren Lage ich seit dem vorigen Jahre kannte. Doch nach Abdu Rehim sollte es östlich von ihr noch drei Quellen geben, und diese waren es, auf die ich jetzt hoffte und die ich suchte. Wie leicht aber konnten sie hinter Bodenerhebungen verborgen, hinter kleinen Kämmen versteckt oder tief in einer vom Wege aus unsichtbaren Bodensenke liegen. Wir konnten ahnungslos an ihnen vorbeigehen und uns wieder in dieses Meer von Einöden hineinverlieren. Sehr beeinträchtigt wurden wir auch durch den Sturm, der uns nur die allernächsten Gegenstände unterscheiden ließ. Entferntere Berge und Anhöhen verhüllte der Nebel; ich konnte mich daher nicht der Karten vom Vorjahre zur Orientierung bedienen. In der Takla-makan wußten wir wenigstens, daß wir stets an den Chotan-darja gelangen würden, gleichviel auf welchem Wege wir nach Osten gingen, und nach dem Zuge im Bett des Kerijaflusses mußten wir schließlich den Tarim erreichen, wenn wir nur nördlichen Kurs einhielten. Dort handelte es sich um Linien, hier aber um Punkte, an denen man in der staubgesättigten Luft leicht vorübergehen konnte, und hätten wir dies getan, so würden wir die Gegenden des Tarim nie wiedergesehen haben.

Mit steigendem Interesse beobachteten wir die oft ziemlich frischen Spuren der wilden Kamele, die nur im losen Sande vom Winde ausgelöscht, sonst aber deutlich waren. Man weiß, daß die Tiere vom Wasser kommen oder nach Wasser gehen und daß die Spur, ob man sie nach dieser oder jener Richtung hin verfolgt, früher oder später an eine Quelle führen muß. Aber es kann Tage und Wochen dauern.

Ich fühlte mich stets versucht, den Kamelpfaden zu folgen, und tat es mehrere Male. Sie sind sehr sonderbar. Ohne die geringste Veranlassung machen sie scharfe Biegungen im rechten Winkel; wenn sie mich aber gar zu sehr in die Irre führen, verlasse ich sie voller Ärger, aber nur, um bald auf einen neuen Pfad zu geraten. Im großen und ganzen liefen die Spuren von Norden nach Süden. Sah ich nach Norden, so erblickte das Auge eine rotbraune, sterile Bergwand, während im Süden nur die unabsehbare Wüste lag. Also war es am besten, westwärtszugehen und nach Abdu Rehims drei Quellen zu suchen.

Ich ging, als brennte es hinter mir, und ließ die Karawane weit hinter mir zurück. Meine in Schweden gemachten Stiefel hingen nach den 300 zu Fuß zurückgelegten Kilometern kaum noch in den Nähten zusammen, und meine Füße waren voller Blasen und schmerzten mich sehr. Schagdur, der mir sonst mein Reitpferd nachzubringen pflegte, ließ sich nicht blicken. Ich hatte beschlossen, nicht eher Halt zu machen, als bis ich Wasser gefunden hatte; ich wurde heute 36 Jahre alt und erwartete zum Abend eine angenehme Überraschung. Die Kamelspuren wurden nach Westen zu immer zahlreicher und bestärkten meine Hoffnung. Ich konnte jetzt keine zwei Minuten gehen, ohne eine Spur zu kreuzen.

Schließlich gelangte ich an einen niedrigen Bergrücken, der mich zwang, eine südwestliche und südsüdwestliche Richtung einzuschlagen; ich ging daher in ein ausgetrocknetes Bett hinunter, in dem kürzlich 30 Kamele gewandert waren. Da ich hier eine Tamariske fand und Fährten von Hasen und Antilopen erblickte, blieb ich eine Weile an einer geschützten Stelle stehen. Diese Tiere können sich nicht sehr weit vom Wasser entfernen.

Jetzt kam Schagdur, und wir beratschlagten. Im Süden zeigten sich mehrere Tamarisken; dorthin lenkten wir unsere Schritte. Der Boden war hier stark feucht, aber auch mit einer dicken Salzkruste überzogen, und der Brunnen, der gegraben wurde, als die Karawane dort angelangt war, lieferte eine konzentrierte Salzlösung. Wir gingen daher nach Südwesten weiter. Der Sturm schob von hinten nach.