Als ich zwischen niedrigen Hügeln talaufwärts ging, einem ziemlich tief in den Boden eingetretenen Pfade folgend, erblickte ich ein großes, schönes Kamel, das mich in dem Gegenwinde nicht witterte. Ich blieb stehen und wartete auf die Karawane, um Schagdur Gelegenheit zu geben, es zu schießen. Teils brauchten wir Fleisch, teils wollte ich ein vollständiges Skelett und eine Haut haben. Doch die Hunde verjagten das Tier, und so entging es der Gefahr. Schagdur war in der Hoffnung, dort eine Beute erwischen zu können, an der Quelle geblieben.

Wieder kreuzten wir eine inselähnliche kleine Oase, wo die Tiere eine Stunde weiden durften, während ich meinen einsamen Spaziergang fortsetzte. Im Süden schimmerte es gelb aus dem Nebel, offenbar eine neue lockende Oase. In ihrem südlichen Teile erblickte ich 18 weidende Kamele und blieb wieder stehen, um auf die Karawane zu warten. Die wilden Kamele betrachteten die schwarze Reihe ihrer zahmen Verwandten mit unablässiger Aufmerksamkeit. Li Loje wurde zurückgeschickt, um Schagdur zu holen. Dieser kam atemlos an, war aber zu hitzig und schoß zu früh. Die Tiere verschwanden mit Windeseile in westlicher Richtung, und ich fürchtete, daß sie ihre Kameraden in Altimisch-bulak warnen würden und ich auf das Skelett verzichten müßte.

Wir lagerten an diesem herrlichen Platze, wo es Weide, Brennholz und Wasser im Überfluß gab. Es war die dritte von Abdu Rehims Quellen. Seine Angaben hatten sich als durchaus zuverlässig erwiesen.

24. Februar. Nach meinem Besteck und meinen topographischen Berechnungen müßte Altimisch-bulak in Westsüdwest 28 Kilometer von dieser Oase liegen. Ich führte also den Zug in dieser Richtung an, wurde aber von der nächsten, rechter Hand liegenden Bergkette gezwungen, einen westlicheren Kurs einzuhalten. Dies mußte die Kette sein, unterhalb welcher die Quelle von Altimisch-bulak liegt; hier konnte von einem Irrtum keine Rede sein. Wäre das Wetter nur klar gewesen, so hätten wir die Oase schon aus weiter Ferne erblicken müssen, nun aber verschwand alles im Staubnebel. Man hätte an der Oase vorbeigehen können, ohne sie zu sehen.

Doch mein Glücksstern lenkte meine Schritte, und die gelbe Weide schimmerte aus dem Nebel hervor ([Abb. 194]). Die Umrisse von fünf Kamelen zeichneten sich über dem Schilfdickicht ab. Schagdur entledigte sich seines Mantels und seiner Mütze und schlich sich dorthin. Mit dem Fernglase beobachtete ich den Verlauf der Jagd. Als der Schuß krachte, begann es sich im Schilfe zu regen, erst langsam, dann schneller, und schwarze Schattenrisse huschten über das Kamisch und verschwanden jenseits der Grenze der Oase. Es waren 14 Stück. Nach einem zweiten Schuß kam Schagdur triumphierend zu mir, um zu melden, daß er zwei Kamele erlegt habe. Das eine war ein junges Weibchen, das stehend photographiert und dann getötet wurde ([Abb. 195]). Das zweite war ein gewaltiges „Bughra“, das an dem Schusse sofort verendet war ([Abb. 196]). Sein Skelett und seine Haut sollten nach Stockholm gebracht werden.

180. im Tale des Anambaruin-gol aufwärtsführender Weg. ([S. 14].)

181. Einer unserer mongolischen Führer. ([S. 16].)