182. Die nach Deschong-duntsa hinunterführende Schlucht. ([S. 16].)

183. Mein mongolischer Führer. ([S. 16].)

Den Muselmännern imponierte es außerordentlich, daß es mir trotz des Nebels gelungen war, Altimisch-bulak zu finden. Die zurückgelegte Entfernung betrug den letzten Tag 31 Kilometer; ich hatte mich also nur um 3 Kilometer verrechnet, was nicht viel ist, da die Länge der berechneten Strecke 2000 Kilometer betrug. Hier knüpften sich die astronomischen und topographischen Beobachtungsreihen an die des vorigen Jahres an, und es konnte mit den vorhandenen Daten nicht schwer sein, die Ruinen wiederzufinden.

Meine Jurte wurde in demselben Dickicht von Tamarisken und Kamisch, wo sie das Jahr vorher gestanden hatte, aufgeschlagen. Die Kamele und Pferde durften grasen. Es war ein gesegneter, glücklicher Tag.

Die noch übrigen Tage des Februars verbrachten wir in Ruhe an den Quellen von Altimisch-bulak ([Abb. 197]). Daß beständig ein Wind ging und das Land ewig in Nebel gehüllt war, störte uns wenig, denn wir hatten alles, was wir brauchten, und unsere Zelte lagen vor dem Winde geschützt. Der Brennholzreichtum war unerschöpflich, und das Feuer in meinem Ofen erlosch erst spät in der Nacht, wurde aber schon frühmorgens, ehe ich aufstand, wieder angezündet. Die Muselmänner fanden das Fleisch des jungen Kamelweibchens vortrefflich, und unsere Karawanentiere sah man in zerstreuten Gruppen behaglich weiden.

Ein ganzer Tag wurde auf Generalrepetition mit den Nivellierinstrumenten und den Männern, die bei dem Präzisionsnivellement durch die Wüste meine Gehilfen sein sollten, verwendet ([Abb. 198]). Der Umfang der Oase wurde mit Schritten ausgemessen; der vertikale Fehler auf dieser Strecke von 2756 Meter betrug nur 1 Millimeter. Das Resultat prophezeite also Gutes für das große Nivellement durch die Wüste auf einer Linie von mehr als 80 Kilometer Länge.

Eine kleine Episode mit Chodai Kullu, der bisher innerhalb der Karawanengemeinschaft gerade keine hervorragende Rolle gespielt hatte, muß der Vergessenheit entrissen werden. Der Mann galt für einen geschickten Jäger und besaß eine eigene Flinte, aber in den 14 Monaten, die er bei uns war, hatte keiner ihn auch nur einem Hasen etwas zuleide tun sehen. Man glaubte nicht, daß er mit dem Gewehre umzugehen wußte, und es erregte daher keine Verwunderung, als er es eines Tages um einen Spottpreis an Li Loje verkaufte, in dessen Händen es ebenso unschädlich blieb. Bei der Rückkehr nach Jangi-köll im vorigen Jahre hatte er versichert, daß er in Altimisch-bulak ein Kamel erlegt habe, und nun drangen seine Kameraden in ihn, er solle ihnen die Reste dieses Tieres zeigen. Er machte Ausflüchte und beteuerte, die Tat bei einer anderen Quelle in der Nachbarschaft verübt zu haben. Daran wollten die anderen aber durchaus nicht glauben, da Chodai Kullu über die Lage dieser Quelle keine Auskunft geben konnte. Sie machten sich immer über ihn lustig. Er war ein verträglicher, phlegmatischer Mensch, linkisch und jovial, und seine Gesichtszüge trugen einen vorwiegend komischen Ausdruck.

Eines Morgens verschwand er vor Sonnenaufgang aus dem Lager, und die anderen, die den Tag über damit beschäftigt waren, das Skelett des von Schagdur erlegten Kameles zu reinigen, hatten keine Ahnung, wo er steckte. Sie vermuteten indessen, daß er auf die Jagd gegangen sei, denn eine Flinte fehlte.

In der Dämmerung fand er sich wieder ein und machte schon von weitem den Eindruck eines Triumphators. Wer wolle, könne ihn nach der Quelle begleiten und sich das Gerippe des im vorigen Jahre geschossenen Kamels ansehen, erklärte er ruhig. Die Quelle sei freilich in diesem Jahre ausgetrocknet, aber das Gerippe liege noch da, und was mehr sei, er habe auf seinem Streifzuge noch eine Quelle mit reichlichem Eisvorrat und Vegetation entdeckt. Dort habe er vier Kamele überrascht und ein Bughra geschossen. Während Chodai Kullu schmunzelnd umherging, war er in den Augen der anderen bedeutend gewachsen, und sie schämten sich sichtlich ihres offen ausgesprochenen Mißtrauens.