172. Bahnen eines Weges über den Paß. ([S. 6])

173. Ein Tal mit zwei Stockwerken. ([S. 7].)

Schon in dunkler Nacht waren einige der Leute voraus nach dem Passe hinaufgeeilt, um dort einen Weg anzulegen. Jetzt folgten wir dem rechten Tale, das wirklich zu einem Passe führte. Auch dieser war auf der letzten Strecke greulich steil, und die Kamele konnten nur mit Hilfe der Leute hinaufkommen ([Abb. 176]). Die umfangreiche Aussicht zeigte sofort, daß wir uns auf dem Hauptkamme der Kette befanden (3698 Meter). Im Norden zieht sich der endlose Rücken des Astin-tag hin, im Süden der Tschimen-tag, im Südosten die Einöden von Zaidam, und ostwärts erblickt man etwas, von dem man nicht sagen kann, ob es ein Gebirge, Wolkengebilde, Nebel oder nur ein Wüstenreflex ist. Der Akato-tag ist anders als alle übrigen Bergsysteme in Tibet. Er ist ein unentwirrbares Durcheinander von Hügeln und Tonkuppeln, die aufs wildeste von unzähligen, tiefen und engen Schluchten durchsägt werden. Es ist eine leblose, düstere Gegend.

Als wir auf ebeneren Boden hinuntergelangt waren, fanden wir einen Pfad, der von menschlichen Wanderern herrühren mußte. Der Sicherheit halber hatte ich jedoch schon am Morgen einige Leute mit sechs Pferden nach Julgun-dung zurückgeschickt, um mehr Eis zu holen, da unser Eisvorrat zu sehr zusammengeschmolzen war.

Tokta Ahun hatte von einem Passe, dem Kara-dawan, auf dem Wege nach Anambar gesprochen. Als wir jetzt das breite, ebene Tal zwischen dem Akato- und dem Astin-tag in nordöstlicher Richtung durchquerten, galt es, den Weg nach diesem Passe ausfindig zu machen.

Bald fanden wir den schon gestern gesehenen Pfad wieder, aber jetzt sah er bedeutend breiter aus. Die durch Abnutzung verursachte Einsenkung des Bodens war deutlich zu sehen, besonders da, wo das Erdreich hart war, obwohl der Zahn der Zeit schon sehr an ihr genagt hatte. Auf Hügeln und Vorsprüngen an den Seiten waren Iles (Wegzeichen) in Gestalt kleiner Steinhaufen errichtet. Ohne Zweifel ist diese Straße von mongolischen Lhasapilgern in Zeiten von Unruhe und Unsicherheit in den sonst von ihnen durchreisten Gegenden benutzt worden.

In einer Rinne, in welcher wir zwischen den Hügeln hinzogen, verloren wir diesen Weg, und auch auf den Anhöhen waren keine Steinhaufen mehr zu sehen. Wir zogen jedoch in dem Tale weiter, und freundliche Mächte führten uns zu einer in dieser unendlich wüsten Gegend unerwarteten Entdeckung, zu einer von vortrefflicher Weide umgebenen kleinen Quelle ([Abb. 177]).

Die Quelle ist salzig, aber die Eisschollen unterhalb derselben sind süß. Sie erstrecken sich 150 Meter weit in das Tal hinein, wo mit ihnen auch die Vegetation aufhört.