Das ist der einklauige: UF!

Er ist an die hundert Jahre; seine Zeitgenossen sind der Wolf und der Adler gewesen — der letzte Überrest von Tieren, die noch etwas von der großen Zeit an sich haben.

Den ganzen Winter sitzen sie zusammen in dem hohlen Baumstamm und würgen an ihrem Gewöll. In der Regel schlafen sie gut — und erwachen sie zufällig, so haben sie genug zu tun.

Bald fordern die Nackenfedern einen Besuch ihrer Krallen, bald wollen die Lichter gerieben und die Wangen gewaschen werden, oder der Schnabelbart mit den vielen eingetrockneten Blut- und Fleischüberbleibseln meldet sich und bittet eindringlich, daß man ihn reinigt und bürstet.

Dann pudern sie sich halbe Stunden lang und nehmen die possierlichsten Stellungen ein. Uf wird zu einem jämmerlichen Großvater in der Nachtmütze und mit Haarzotteln um die Ohren; Strix wird zur Furie; zu einem wilden Gespenst — bereit zu kratzen und um sich zu schlagen!

Aber zur Frühlingszeit, wenn die Märzstürme den Wald „stimmen“, wenn die Larven in dem faulen Holz des Baumstamms mit offenbar fieberhafter Hast anfangen, ihr eifriges Klopfen und Hämmern zu beschleunigen, wenn die Träume, die sie träumen, immer wiederkehren, da geht es nicht mehr an, nur zu schlafen und sich zu putzen! Da müssen sie auf — auf und die Hörner sträuben und mit den Flügeln schlagen, während sie auf dem Zunder, auf dem sie sitzen, hüpfen und tanzen; da müssen sie schwänzeln und sich kröpfen und hu—u, hu—u heulen ...

Und dann bauen sie ihren Horst.

In einem Bett aus Reisig liegen zwei graubedaunte Junge!

Sie sind runzelig im Gesicht wie alte Weiber und häßlich für alle, nur nicht für Strix. Der Horst liegt in einer großen Vertiefung unter einem alten Baumstumpf, aber er geht in den Baumstumpf hinein, weit hinein, so daß man in ein tiefes, undurchdringliches Dunkel sieht. Es ist ein ganz vorzügliches Nest, da ist ein Fußboden und da ist ein Dach — auf dem Fußboden liegen allerhand Federreste. Ganz hinten im Baumstumpf ist die Vorratskammer; da gibt es Amseln und Birkhühner und Hasen — und alle Speisen sind frisch, die Tiere sind ganz kürzlich geschlagen. Aber vor dem Baumstumpf ist der Fußboden in weitem Umkreis mit Flügeln und Knochen übersät; da sieht es aus wie vor einer Räuberhöhle.

Die Jungen sind noch klein. Vor zwölf Tagen erst sind sie aus dem Ei gekrochen, und Strix’ einkralliges, altes Männchen sitzt getreulich über ihnen, um durch die Wärme seines Körpers den Lebensfunken in ihnen zu erhalten. Uf kann schlecht fangen, kaum für den eigenen Bedarf, geschweige denn für den anderer; seine Kralle ist stumpf und seine Augen sind schwach — da haben er und sie die Rollen vertauscht. Ihr liegt es also ob, alle Vorräte zu beschaffen!