Ein ohrenbetäubender Spektakel erfüllt die Luft. Es heult und pfeift, es tutet und schreit ... Strix muß wieder hinab in ihr dunkles Loch; übel ist es freilich da unten, aber noch tausendmal schlimmer ist es hier oben.

Und die Laute strömen ihr entgegen. Bald bettelnd, bald flehend, aber es sind auch einige tief empörte und gehässige darunter, einige, die Fang und Schnabel ahnen lassen, obwohl sie von winzig kleinen Singvögeln abstammen. Strix hört sie, faßt sie auf und läßt sie durch sich hindurchspülen, ohne sie auch nur mit einem Gedanken zu verfolgen — dies alles ist ja nur der gewöhnliche Weltrummel!

Es ist ein stiller, warmer, lieblicher Lenzabend!

Aus den Gipfelzweigen der Tannen, aus der Kuppelwölbung der Buchen singen die Drosseln ihr letztes Lied, und der große, rote Frühlingsmond hängt wie ein Riesen-Pigeon ganz oben in einem Baumwipfel. Während die Dämmerung mit Sturmesschritten durch den Wald rennt, singen die Vögel dem Tage ein letztes Lebewohl: Wittewit, wittewit! Das ist die Drossel. Wittwii, wittwii, eine andre. Sie sind vor Strix und hinter ihr und überall — Pan bläst: der Zapfenstreich geht durch den Wald.

Strix ist mehrmals auf dem Wege nach oben gewesen.

Es ist ja jetzt ihre Stunde, und der Magen macht Ansprüche. Aber die Krallen wollen heute abend nicht in den Zunder beißen, und die Flügel, die ihr mühseliges Sichhinaufschleppen zu unterstützen pflegen, lassen sich nicht heben. Die Kräfte haben sie plötzlich ganz verlassen.

Sie ist trübselig, die alte Strix.

Während sie sich ausdauernd, aber vergeblich, unten in dem hohlen Stamm abmüht, klagt sie vor sich hin.

Es ist nicht das lange, prachtvolle Ho—o—o, das andere Lenzabende gekannt haben, hinausgerollt mit dem Fanfarenklang der Paarungslust, mit verheißungsvollen breiten Flügeln und einem Übermaß von Kraft, nein es ist ein kleines, furchtsames, abgerissenes Ho, nur bis ins Unendliche wiederholt, eine Art Zeitvertreib, eine Art Trost in der Einsamkeit, oder möglicherweise ein instinktiver Ruf nach Hilfe.

Diese schwachen, herabgestimmten Ho-Rufe, die viel Ähnlichkeit mit den Paarungsrufen der kleinen Eulen haben, werden denn auch von einem kleinen feurigen Eulenhahn aufgefangen, der schon lange ungepaart im Walde herumgeflogen ist. Er gehört zu der Rasse asio otus und ist auch eine Horneule mit sich sträubenden Federbüscheln und gelben Kugellichtern; aber das ganze Persönchen ist keine drei Käse hoch, und Strix kann ihn mit Leichtigkeit in ihrem einen Fang zu einem Federklumpen zusammenrollen.