Trotz seines eifrigsten Suchens hat Glip — so heißt die kleine Horneule — kein Weibchen finden können, und dies Unglück ist ihm nun im dritten Jahre widerfahren. Er ist deswegen sehr aufgelegt zu freien, und sei es auch um seine alte Großtante!
Der Grund für seinen beständigen Mißerfolg liegt auf der Hand:
Die Zeit der Bedrängnis, unter der Strix ihr ganzes Leben gelitten hat, beginnt nun auch für die kleinen Eulen. Die Kultur hat in immer stärkerem Grad um sich gegriffen, jetzt raubt man den kleinen Eulen ihre Waldestiefe und haut ihre hohlen Bäume um.
An vielen Stellen verfolgt man sie auch geradezu!
Die Vorliebe für Fasanen hat sich verbreitet: der Kampf zugunsten von dem, was die Menschen das Nutzwild nennen, ist verschärft, kein Raubvogel, er mag noch so klein und unschädlich sein, ist mehr sicher.
Das mögen die Götter wissen; wenn jemand bestrebt gewesen ist, auf ehrliche Eulenweise zu einem Weibchen zu gelangen, so ist es Glip. Er kann mit gutem Gewissen behaupten, daß er weder zu bescheiden, noch zu unnatürlich wählerisch gewesen ist. Aber Verhältnisse, über die er, wie erwähnt, nicht Herr ist, haben ihn zum Verzicht gezwungen.
Einmal im vergangenen Jahr sah es einen Augenblick licht für ihn aus. Es war ihm gelungen, einen jungfräulichen Vogel zu finden, ein ganz freies, ungepaartes Eulenfräulein. Es bewarben sich freilich noch dreizehn Herren außer ihm um sie, aber was machte das — der Schatz war ja da. Es kam nun nur darauf an, wer ihn besitzen würde.
Es war drüben auf der andern Seite der Förde, draußen in einem dichten Tannenwald, wo er die Schöne traf. Sie saß in einer kleinen Tanne, und die Freier hingen dicht in den Zweigen rings um sie her.
So war auf alle Fälle die Sachlage am Tage.
Aber des Nachts hatte das Bild einen weniger friedlichen Charakter, da kämpfte man wie die jungen Hähne und umschwärmte die Zuckertaube wie zudringliche Fliegen, so daß sie zu nichts in der Welt mehr Frieden hatte.