Mit angehaltenem Atem lauscht er lange auf Antwort.
Hoo! kommt es so tief da unten aus dem Waldkessel. Nicht so sehr freundlich freilich, wie Glip es erwartet hatte; aber eine Antwort bekommt er doch — und er ist ja nicht verwöhnt.
Er fliegt gleich in der Richtung weiter, und es währt auch nicht lange, bis er ausfindig gemacht hat, daß seine vermeintliche Anbeterin unten in dem Bauch der großen Eiche sitzt.
Mit schnellen, weichen Flügelschlägen ist er dort.
Er erreicht das große Eingangsloch unter eifrigem Scharren und Kratzen seiner Fänge; es jubelt in ihm: ein langsam rinnender Strom von Ho-Rufen gleitet aus dem hohlen Stamm in sein Ohr hinauf, und nun sieht er — so daß ihm einen Augenblick der Atem ausgeht — ein paar rote Lichter unten auf dem Grunde funkeln. Er begrüßt sie mit Kaskaden seines wildesten Geheuls.
Glip ist gerade zur rechten Stunde gekommen. Sie baut ja ein Nest, das kann er hören; sie wühlt da unten herum und legt die Unterlage zurecht — und er beeilt sich, Strix seine erste Liebeserklärung zu bringen: ein trocknes — und knorrenloses Reis.
Da faucht Strix den frechen Eindringling an. Und doch — eine schwache Hoffnung blitzt in ihren Augen auf: sollte er sich nur so weit hinabwagen, daß sie ihn fassen kann, da hätte sie doch endlich einen Bissen.
Glip seinerseits, der in der rabenschwarzen Finsternis und infolge der Engigkeit des hohlen Baumes die Größe des alten Uhus nicht erkennen kann, faßt die Ablehnung des Reises als ganz selbstverständliche Sprödigkeit auf. Sie verlangt natürlich mehr!
Da fängt die kleine Horneule an, sich mit Mäusen für Strix einzustellen. Sie macht große Augen und entreißt ihrem verliebten Anbeter die ersten leckern Fleischstücke; er hätte sie ja für den eigenen Schnabel bestimmen können — und sie beeilt sich, ihm zuvor zu kommen. Sie kokettiert mit ihm, sitzt da und sperrt den Schnabel auf, sobald er sich zeigt — und der verliebte Bursche kann so vielem Entgegenkommen nicht widerstehen.
Am Tage setzt sich Glip zu ihr in den hohlen Baum, natürlich nur gerade vor das Eingangsloch — und ein ganzes Ende von Strix entfernt. Es will ihm ja zuweilen scheinen, als sei sie eine Art Ungeheuer, aber gleich darauf macht ihn die Liebe wieder blind.