Sie sind dahin, alle die ursprünglichen Mitgeschöpfe ihrer Sippe, sie, in denen, o wie in ihr, das Großzügige wohnte. Die Menschen haben sie genommen und sich selbst nach eigener Machtvollkommenheit an ihre Stelle gesetzt.
Ihre Tage sind jetzt vergangen ... ihre vielen, vielen Jahre.
Es hat Zeiten in ihrem Leben gegeben, die schnell dahingesaust sind, wie das Gewitter über die Heide dahinjagt. Da hat sie geliebt und gehofft, gekröpft und sich Tag und Nacht beim Raube ergötzt. Dann kamen andre Zeiten, harte Zeiten, wo sie hat entbehren und leiden, flüchten und wandern müssen, wo sie kaum eine Maus für ihren Schlund hat finden können.
Aber das alles steht jetzt vor ihrem Innern wie ein undurchsichtiger Nebelschleier vor fernen Wäldern; sie weiß, die Wälder liegen dahinter — viel mehr weiß sie nicht.
Das Leben ist dahingeschwunden — für Strix wie für den Eichenriesen, in dessen Bauch sie sitzt. Das lange, lange Leben ist plötzlich zu etwas unfaßlich Kurzem zusammengeschrumpft.
Auf einmal zuckt sie zusammen — ihre matten, ausgebrannten Lichter werden so groß wie Teetassen.
Da senkt sie die Hörner und wirft den Kopf zurück und bewegt den Schnabel wie in beginnender Kampfekstase ... komm auf mich zu, komm auf mich zu!
Mit steifen Blicken starrt sie vor sich hin ...
Sie sieht, wie damals, als sie eben flügge geworden und auf dem Zweig saß, ein wunderliches Tier auf sich zu kommen. Es geht auf der hohen Kante und gleicht einer Rieseneidechse, — selbst der Schwanz fehlt nicht.
Es ist ein Waldarbeiter, den Strix in ihrem Todesaugenblick vor sich sieht; er schleppt einen Baum hinter sich her, den er gefällt hat.