... Die Zeit wohnt hier und zeugt jede Sekunde, wetzt ihren Zahn und frißt, was die Zeit vor ihr übriggelassen hat.

Ungefähr in halber Höhe des Stammes, an der Seite der alten Eiche nach dem Moore zu, gähnt ein großes Loch aus dem Bauch des Baumes hervor.

Eine Daune flattert in einem Spinngewebe an dem oberen Rande der Öffnung.

Tief unten in dem Loch, das in bezug auf das Sonnenlicht so gestellt ist, wie der Hügel selbst —: die westliche Wand bekommt Morgensonne, die östliche Abendsonne, während die hintere Wand nie den Schimmer eines Strahles erhascht — sitzt ein riesengroßer Vogel, und je nachdem die Sonne ihren Weg über den Himmel geht, rückt er aus dem einen Schatten in den andern.

Es ist ein Nachtraubvogel —: ein großer, braungefiederter Uhu!

Diese alte Eiche hier im Revier hat er mit gutem Bedacht erwählt: hier sitzt er gleichsam im Ohr des Waldes; jeder Laut, der von draußen her über den See hereindringt, fährt zwischen den Hügelwänden hin und her und bis zu ihm in das Loch hinein.

Es ist ein dickes, kräftiges Uhuweibchen ...

Sein Kopf ist so groß wie der der größten Wildkatze, nach vorn zu flach abgeschnitten, so daß er das schönste Gesicht bildet.

Der Schnabel ist stark und gekrümmt, und die Schneiden sind so scharf wie eine Rosenschere. Sie behandeln einen Braten kunstgerecht, zerlegen ein Stück Wild im Handumdrehen. Ritsch, Ratsch — und sie haben selbst die Schenkelknochen eines zähen, alten Hasen durchgeschnitten.

Er fängt kein Tier, dieser große Uhu — er schlachtet es!