Eine Strecke vor ihr, drinnen im Walde, hüpft Taa mit seinem kleinen Akrobaten. Er hat schon ein wenig in sich hineingesogen und einzelne Bissen von dem Braten herausgerissen, aber er hat noch nicht den ganzen Akrobaten verschlungen. Er, der Marder, weiß sehr wohl, es ist eine Eigentümlichkeit jedes Bratens, der munden soll, daß man sich damit erst abseits in die Büsche schlagen und einen Ort finden muß, wo man verborgen sitzen kann, während man das Mahl verzehrt.
Da, auf dem Wege dorthin fällt er über einen Steig aus tiefen, groben Spuren, eine warme, frische Fährte steigt ihm in die Nase — und plötzlich sieht er vor sich etwas wie einen trocknen Tannenstumpf aus dem Schnee aufragen. Auf einmal steigt ein großer, brauner Kopf in die Höhe und ein Paar lange Lauscher schlagen die Schneeschollen weg, als schlügen sie nach Mücken. Es ist ein Rottier, das warm in seinem weißen Winterbett sitzt! Taa ist doch ein klein wenig bestürzt, namentlich, als er nach einigen weiteren Sprüngen dem Kalb des Rottieres von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht ... es ist dicht bereift über den ganzen Rücken.
Da ertönt plötzlich ein häßliches, wahnsinniges Getute. Es wird von einem durchdringenden, langgezogenen Geheul eingeleitet, dann folgt ein heiseres, abschreckendes Lachen, und endlich ein Schrei, der durch Mark und Bein geht.
Das Rottier fährt zusammen — und krasselt mit dem Kalbe in wilder Flucht davon, auf die nächste Dickung zu. Der Marder aber verliert die Besinnung, statt sich in das Lager des Rottiers zurückzuziehen, sich mit seinem Raube einzugraben und im Schnee zu verschwinden, weiß er im Augenblick nichts besseres zu tun, als das Eichhörnchen in den Fang zu nehmen und dem Wild zu folgen.
Strix jedoch jagt ebensosehr dem Gehör wie dem Gesicht folgend! Jeder Laut, den sie vernimmt, meldet ihr eine Möglichkeit; lautlos setzt sie ihm nach, ungeahnt taucht sie auf, das große, gefiederte Gespenst!
Längst haben ihre Ohren das Geräusch des fliehenden Rotwildes aufgefangen — sie beschleunigt den Flug der Wollschwingen und richtet die Marterfänge ... da erblickt sie Taa mit etwas im Fange!
Sie erinnert sich seiner deutlich von jenem Sommermorgen, wo er eingeklemmt in den zusammengepreßten Fängen ihrer Jungen saß; er war der Erste, der versuchte, ihr ihre Brut zu rauben — und auch er hatte sie angeführt.
Strix verschlingt ihn mit den Augen von dem abgenagten Stummel seiner Rute bis zu seinen breiten Sohlen; schon glaubt sie, daß die rote Waldkatze ihr gehört ...
Da spielt der Schattenvogel, den der Mond vor ihr auf den Schnee zeichnet, Strix einen niederträchtigen Streich — der Marder wird in der letzten Sekunde gewarnt! Im Augenblick wo sie niederstoßen will, drückt er sich plötzlich an den Boden, so daß die Eule über ihn hinfährt und nur das kleine verendete Eichhörnchen in den Klauen hält.
Wie sich ein Maulwurf in einem Nu in die Erde birgt, gräbt sich Taa bis auf den Grund in die weißen Kristalle hinein, Strix schlägt um sich, aber vergebens — die geschmeidige Marderkatze bringt sich in Sicherheit.